Ökolöwe: Landestalsperrenverwaltung verbaut einmalige Chance zur Aufwertung Nordwestaue

5 Apr

Pressemitteilung Ökolöwe vom 4. April 2013: Nahlewehr nimmt Schlüsselstellung für ökologischen Hochwasserschutz im Leipziger Auwald ein

Entgegen eigenen Szenarien im Hochwasserschutzkonzept zur Weißen Elster von 2004 plant die Landestalsperrenverwaltung (LTV) aktuell, das Nahleauslasswehr auf dem bisherigen Stand zu sanieren. Dadurch vergibt die landeseigene Behörde die einmalige Chance, einen Schritt von ihrem technisch interpretierten Hochwasserschutzkonzept im Leipziger Auengebiet zurückzutreten. Gerade sie selbst hatte einst für die Burgaue eben jene ökologische Variante in Betracht gezogen, die der Ökolöwe in seiner fachlichen Stellungnahme zum Ersatzneubau einfordert und gegen die sie jetzt mit fadenscheinigen Argumenten anredet. Stattdessen schürt Bereichsleiter Axel Bobbe in der LVZ die Hochwasserängste der Waldanrainer und übergeht berechtigte Sorgen des Naturschutzes um eine weitere Austrocknung des FFH-Schutzgebiets.

Nahleauslass. Foto:Bernd  Reiher

Bildkorrektur: Nahlewehr am 7. April 2013. Foto:Bernd Reiher

Damit gibt sich der Leipziger Umweltbund Ökolöwe nicht zufrieden. Er erwartet durch die künstliche Stauwirkung des Bauwerkes ein weiteres Trockenfallen des Auwaldes und eine erhöhte Hochwassergefahr. „Uns geht es jetzt vor allem um den Erhalt der Option zur Auwald-Flutung. Das Wehr sollte voll steuerbar sein und kann bis zur Fertigstellung eines umfassenden Auwald-Konzeptes einfach abgeriegelt werden. Dann entstehen auch keine Schäden an der Bebauung“, sagt Holger Seidemann, Vorstandsmitglied des Ökolöwen.

Eigentlich wurden im Entwurf für das Hochwasserschutzkonzept von 2004 bereits in Grundzügen die verschiedenen möglichen Szenarien zur Flutung der Leipziger Nordwestaue vorgestellt. In diesem Papier ging man sogar davon aus, dass nur wenige schutzwürdige Objekte im Auwald existieren. Für sie war ein individueller Schutz per Ringdeich vorgesehen, die Potentiale für den Naturschutz sollten ausgelotet werden. Für die bestehenden Straßentrassen mit möglicher Stauwirkung – wie die B186 – waren bereits Durchlässe angedacht.

Holger Seidemann kritisiert diesbezüglich das Vorgehen der Behörde bei der Prüfung und Umsetzung ihrer eigenen Szenarien: „Seit vielen Jahren laufen nun mehrere Machbarkeits-Studien und Modellprojekte zur Wiedervernässung des Auwaldes. Deren Ergebnisse sind nicht in Sicht. Wir gehen davon aus, dass die LTV hier auf Zeit spielt, um die gesetzlich vorgesehenen, aufwendigen Beteiligungsverfahren mit ungewissem Ausgang vermeiden zu können.“

Demgegenüber stehen im Landeshaushalt großzügige Finanzmittel für den technischen Hochwasserschutz, mit Deichanlagen und anderen Großbauwerken. Das bedauert Seidemann: „Der Sächsische Landeshaushalt platzt fast vor Fördermitteln zum technischen Hochwasserschutz. Die Ausgabereste aus den vorhergehenden Jahren stauen sich. Diese müssen offensichtlich schnell ausgegeben werden. Unser Auwald wird damit zum Spielball der Bürokraten. Kurios lesen sich immer noch die behördlichen Kostenabwägungen zur einseitigen Förderung des technischen Hochwasserschutzes. Jeder Sportplatz wird umfassend bilanziert und gilt als schutzwürdig. Austrocknungsschäden am Auwald werden hingegen mit dem Wert „Null“ in die Kostenbetrachtungen eingestellt und finden dann keine Beachtung mehr.“

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