Ökolöwe: Sanierung Nahleauslassbauwerk – Wieder nur maschineller Hochwasserschutz

27 Mrz

Pressemitteilung, 26. März 2013: Nahleauslassbauwerk soll saniert werden – Ökolöwe kritisiert Verfestigung des technischen Hochwasserschutzes – Leipziger Auwald braucht Wasser

Derzeit läuft die Beteiligung der Umweltverbände zur Neuerrichtung des Nahleauslassbauwerkes. Baulich soll am Wehr keinerlei Veränderung erfolgen, was auf ein „Weiterso“ in der Hochwasservorsorge mit massiven technischen Anlagen hindeutet. Das ruft großen Widerspruch des Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. hervor, der sich seit Jahren intensiv mit den Naturschutzbelangen im Leipziger Auensystem beschäftigt.

Nahleauslass. Foto:Bernd  Reiher

Nahleauslass. Foto:Bernd Reiher

Seit den 1970er Jahren kann bei extremen Hochwassern die Nordwestaue gezielt geflutet werden. Dies geschah zum ersten und einzigen Mal zu Jahresbeginn 2011, als das Hochwasser von Weißer Elster und Parthe für einen aller dreißig Jahre zu erwartenden Hochwasserstand sorgten.

Nun soll nach der vorgelegten Genehmigungsplanung das Bauwerk neu errichtet und der alte Zustand verfestigt werden. Mit der gewählten unverändert hohen Fixierung der Überlaufschwelle (der sogenannte Fachbaum) wird zu selten Wasser in den Auwald fließen und das Feuchtbiotop trocknet weiter großflächig aus. Damit stellt sich die Landestalsperrenverwaltung (LTV) gegen ihr eigenes Hochwasserschutzkonzept.

Das wurde 2004 veröffentlicht und forderte eine reduzierte Fachbaumhöhe um mehr Wasser in die Aue zu lassen. „Mit dem Festhalten an der Planung vergeben die Stadt Leipzig und vor allem die LTV ein zentrales Steuerungselement zur Auwaldflutung und damit zur Renaturierung und verstoßen zudem gegen den Verbesserungsgrundsatz der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, merkt Holger Seidemann vom Vorstand des Umweltvereins an. Die Zukunft des Auwalds sieht mit dem Festhalten am Projekt nun ziemlich düster aus. Erst wurden massive Baumfällungen vorgenommen, später folgten Deichausbauten und nun steht die Verfestigung der Flutungssteuerung auf technisch längst überholtem Niveau im Raum.

Eine vielversprechende Möglichkeit, die Erfordernisse von Naturschutz und Wasserwirtschaft zu kombinieren, sieht der Ökolöwe in der Bewirtschaftung der Burgaue als „ökologischem Polder“, wie bereits erfolgreich am Oberrhein realisiert (bspw. Polder „Söllingen/Greffern“ in Baden-Württemberg). Dort wird ein natürliches Übertreten des Wassers in den Polder bereits bei kleinsten Hochwasserereignissen ermöglicht. Nur im Zuge von größeren Hochwasserereignissen wird das Einlassbauwerk geschlossen um dann bei ansteigendem Hochwasser die gewünschte Regel- und Steuerbarkeit des Hochwasserscheitels gewährleisten zu können. Bezogen auf die Burgaue müsste das dann deutlich abgesenkte Nahleauslassbauwerk im Normalzustand immer offen bleiben und würde für regelmäßige natürliche Auenüberflutungen sorgen. Nur bei den seltenen großen Hochwasserereignissen würde ein Schließen des Bauwerks und Steuern der Hochwasserwelle erfolgen.

„Zusätzlich gehen wir davon aus, dass die Planung rechtwidrig ist. Die großflächigen Baufeldvorbereitungen im Schutzgebiet fanden bereits illegal im Rahmen der sehr umfangreichen Baumfällungen im Februar 2011 statt“, konstatiert Seidemann weiter. Das Thema wird der Ökolöwe nicht aus den Augen verlieren und prüft derzeit alle Möglichkeiten, um die gezielte Austrocknung des Auwaldes zu unterbinden.

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