Archiv | März, 2013

AHA: Nachhaltiges Hoch- und Grundwasserkonzept für Leipzig dingend geboten

30 Mrz

Pressemitteilung Arbeitskreis Hallesche Auwälder e.V. vom 28. März 2013

Letztmalig führten zahlreiche Flüsse wie Elbe, Donau, Rhein, Saale und Mulde sowie ihre Nebengewässer sehr umfassendes Hochwasser im Winter/Frühjahr 2011. Ausgelöst durch Schmelz- und Niederschlagswasser, verschärft sich immer wieder die Situation durch umfassend versiegelte Flächen, ausgeräumte Landschaften, überbaute und verschüttete Bäche und Flussarme sowie fehlende Hochwasserausbreitungsräume entlang der Fließgewässer. Mit dem Anstieg der Grundwasser in Folge der Flutung der früheren Tagebaue ist zudem mit umfassenden Wiederanstiegen der Grundwasserstände zu rechnen.

Nach Auffassung des Arbeitskreises Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) gilt es daher auch im Raum der Städte Leipzig, Markkleeberg und Schkeuditz in verantwortlicher Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen, Begleitung durch wissenschaftliche Einrichtungen sowie massiver Einbeziehung der Bevölkerung und ihrer Vereine, Verbände und Initiativen unverzüglich eine aktuelle und nachhaltige Hoch- und Grundwasserkonzeption zu entwickeln.

Schwerpunkte sollten an erster Stelle die Einstellung bzw. der Ausschluss von Verbauungen und Versiegelungen in bestehenden Auen und Altauen sowie in Bereichen von verschütteten Altgewässern sein. Ferner ist es erforderlich bestehende versiegelte Flächen zu überprüfen, ob ein Rückbau erfolgen kann.

Eine besondere große Bedeutung kommt zudem der Rückverlegung von Deichen zu. Dies führt zur Erweiterung von Hochwasserausbreitungsraum, Verringerung von Hochwasserhöhen und damit einer Verringerung der Hochwasserkatastrophengefahr sowie nicht zuletzt auch zur wichtigen Wiederherstellung einer direkten ökologischen und hydrologischen Verbindung zwischen Aue und Fließgewässer. Insbesondere die Auen an Elster, Luppe und Nahle im Norden von Leipzig und im angrenzenden Schkeuditz würden ganz besonders davon profitieren.

Mit dem angedachten Ausbau des Nahleausbauwerkes setzt die Landestalsperrenverwaltung weiterhin auf einen wasserbaulichen Hochwasserschutz aus Beton und Stahl. Ebenso wie die zuletzt seit 2011 durchgeführten Massenabholzungen – welche selbst europäische Schutzgebiete und Naturschutzgebiete wie die Burgaue nicht verschonten – zeugen diese Maßnahmen nicht von einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Hochwasserschutz.
Auch im Bereich der Elster–Pleiße–Aue sowie der in Flutung begriffenen Alttagebaue in den Städten Leipzig und Markkleeberg bedürfen einer Einbeziehung in das Hoch- und Grundwasserkonzept. Neben Hochwasser ist mit Wiederanstieg von Grundwasser zu rechnen.

Hier sollte nach Auffassung des AHA zum Beispiel der Raum zwischen Markkleeberger See und Pleiße unter Einbeziehung bzw. Berücksichtigung des Geländes der Agra eine besondere Rolle erhalten. So könnte unter anderem die Wiederherstellung des alten Verlaufes der Mühlpleiße in Erwägung gezogen werden, um das Wasserabflusssystem zu verbessern sowie zudem eine weitere landschaftliche und ökologische Aufwertung des Raumes zu ermöglichen. Ferner ist das gesamte Gebiet von neuen Verbauungen freizuhalten und zu prüfen, inwieweit bestehende Verbauungen und Versiegelungen einen vollständigen bzw. zumindestens einen teilweisen Rückbau erfahren können.

Der AHA ist bereit im Rahmen seiner ehrenamtlichen Möglichkeiten an der Prüfung und Erarbeitung einer aktuellen und nachhaltigen Hoch- und Grundwasserkonzeption mitzuwirken. Darüber hinaus ruft der AHA zur aktiven Mitwirkung interessierter Bürgerinnen und Bürger in den Städten Leipzig, Markkleeberg und Schkeuditz auf, sich mit einzubringen. Interessenten können folgendermaßen zum AHA Kontakt aufnehmen: Arbeitskreis Hallesche Auenwälder e.V., Otto-Adam-Straße 14, 04157 Leipzig, aha_halle@yahoo.de

NaBu: Frühlingserwachen im Auwald – Erste Exkursionen im Rahmen des Projekts „Lebendige Luppe“ im April

28 Mrz

Pressemitteilung NaBu vom 27. März 2013: Erste Frühblüher- und Moorfrosch-Exkursionen im Rahmen des Projekts „Lebendige Luppe“ am 6. und 12. April/Faltblatt stellt das Flussrevitalisierungsprojekt „Lebendige Luppe“ im Auwald vor

Pünktlich zum verspäteten Frühlingserwachen der Natur laden die Verantwortlichen des Projekts „Lebendige Luppe“ mit einer Frühblüher- und einer Moorfrosch-Exkursion am 6. und 12. April Naturfreunde aller Altersklassen zu den ersten Veranstaltungen im Projektgebiet ein. Am Samstag, den 6. April, findet von 15:00 bis 17:00 Uhr eine Wanderung zu den ersten Frühlingsboten im nordwestlichen Auwald statt.

Starkes Stück Auwald: Papitzer Lachen. Ab APril gibt es wieder Exkursionen. Foto: NaBu/Maria Vitzthum

Starkes Stück Leipzig: Der Auwald hier mit Papitzer Lachen. Ab April gibt es wieder Exkursionen. Foto: NaBu/Maria Vitzthum

Bärlauch, Buschwindröschen, Waldveilchen, Lungenkraut, Gundermann – wie viele Frühlingszeichen sind schon zu finden? Und was gibt es über die botanischen Aspekte und heilkräftigen Anwendungen der pflanzlichen Entdeckungen zu erzählen? Als Fachfrau auf diesem Gebiet wird Dr. Carolin Seele von der Universität Leipzig die Frühblüher-Exkursion begleiten. Darüber hinaus geben die Exkursionsleiterinnen Auskunft zum Projekt „Lebendige Luppe“.

Die Exkursion beginnt um 15:00 Uhr an der Gustav‐Esche‐Straße, Parkplatz Nahle-Brücke. Um eine Voranmeldung unter 0341-91855368, 01578-2333383 oder per Mail bei Birgit Peil (peil@nabu-sachsen.de) oder Anja Hümmer (huemmer@nabu-sachsen.de) wird gebeten. Verantwortlich für die Exkursion ist der NABULandesverband Sachsen e. V.

Am 12. April geht es, ebenfalls mit den Naturpädagoginnen des Projekts „Lebendige Luppe“ sowie mit der langjährigen Gebietsbeobachterin Christa Rasch vom NABU-Regionalverband Leipzig, von 16:00 bis 18:00 Uhr auf einen Ausflug der etwas anderen Art in die Papitzer Lachen im nordwestlichen Auwald. In diesem Naturschutzgebiet lebt neben einer Reihe anderer seltener Amphibien der Moorfrosch. Er beginnt als einer der Ersten im Frühjahr mit seinen Paarungsaktivitäten.

Das Besondere an diesem Lurch: er färbt sich temperaturabhängig für einen kurzen Zeitraum blau – eine Farbe, die an Lebewesen nur sehr selten vorkommt. Mit etwas Glück können die Teilnehmer der Exkursion Zeuge des blauen Naturschauspiels werden. Da sich der Zeitpunkt der Blaufärbung jedoch nicht genau vorhersagen lässt, gibt es für das Entdecken der farbigen Zeitgenossen leider auch keine Garantie.

Doch schon die Schönheit und unberührte Natur der Papitzer Lachen allein ist ein besonderer Genuss. Neben den Amphibienbeobachtungen werden die Exkursionsleiterinnen daher auch über das Entwicklungskonzept für die Lachen sprechen: Im Rahmen des Projekts „Lebendige Luppe“ sind Maßnahmen zu Erhalt und Förderung auwaldtypischer Biotopsstrukturen geplant, die auch in den Papitzer Lachen greifen sollen.

Durch die Wiederbelebung ehemaliger Luppe-Läufe sollen dem Auwald neue Lebensadern geschenkt werden, was den Wasserhaushalt des Auensystems insgesamt verbessern und im Gebiet der Lachen insbesondere zur Sicherung der Lebensräume von Fröschen, Kröten und Unken beitragen soll. Den Projektpartnern, zu denen neben dem NABU-Landesverband Sachsen e. V. die Städte Leipzig und Schkeuditz, die Universität Leipzig und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gehören, ist es ein besonderes Anliegen, die Bewohner und Besucher der Städte Leipzig und Schkeuditz an der Entwicklung der „Lebendigen Luppe“ teilhaben zu lassen und die Besonderheiten des Auwalds für Mensch und Natur nicht nur zu vermitteln, sondern erlebbar zu machen.

Die Moorfrosch-Exkursion startet um 16:00 Uhr am Modelwitzer Steg in Schkeuditz-Modelwitz. Die Teilnehmer werden um wettergerechte Kleidung, festes Schuhwerk und wenn möglich das Mitbringen eines Fernglases und einer Sitzunterlage gebeten. Aufgrund des Geländes ist die Exkursion für kleine Kinder eher ungeeignet. Um eine Voranmeldung bei Birgit Peil oder Anja Hümmer vom NABU Sachsen wird auch hier gebeten.

Stadt Leipzig: Inbetriebnahme der Schleusen verzögert sich

28 Mrz

Die Stadt Leipzig teilte am 28. März 2013 mit: „Für die Bootsschleusen in Cospuden und am Connewitzer Wehr kann die Saison nicht wie geplant zu Ostern beginnen.“ Zwar seien die Anlagen ordnungsgemäß gewartet worden und betriebsbereit. Aufgrund des anhaltenden Frostwetters könnten die Bootsfahrstühle den Betrieb jetzt noch nicht aufnehmen. Der Vorhafen an der Schleuse Cospuden zum Beispiel sei noch vereist, ebenso der Schleusenbereich am Connewitzer Wehr. Damit sei die erforderliche Sicherheit für den Schleusenbetrieb nicht gegeben.

Statt Eis am Geländer noch Eis im Becken: Saisonstart an den Schleusen verschoben. Foto: Connewitzer Schleuse/Archiv/Bernd Reiher

Statt Eis am Geländer noch Eis im Becken: Saisonstart an den Schleusen verschoben. Foto: Connewitzer Schleuse/Archiv/Bernd Reiher

Sobald es die Witterung erlaubt und die Vereisungen an den beiden Anlagen aufgetaut sind, werde der Schleusenbetrieb an beiden Anlagen kurzfristig wieder eröffnet. Das Amt für Stadtgrün und Gewässer werde darüber aktuell in den Medien und auf der Internetseite der Stadt Leipzig unter leipzig.de informieren.

LeipzigBoot: Neuer Landepunkt Karl-Heine-Kanal

28 Mrz

Die Kapitäne der Ranaboot GmbH teilen mit: „Ab neuer Saison verfügen wir über einen weiteren Start- und Zielpunkt am Riverboat Karl-Heine-Kanal. Die Zufahrt für unsere Fahrgäste erfolgt über die Erich-Zeigner-Allee 45 (Villa Rossa).“

LeipzigBoot unter Schreberbrücke am Stadthafen im Juli 2011. Foto: Bernd Reiher

LeipzigBoot unter Schreberbrücke am Stadthafen im Juli 2011. Foto: Bernd Reiher

Parkplätze und Toiletten seien jetzt genügend vorhanden und nutzbar. Das einstige „Riverboat“ könne für Festlichkeiten aller Art genutzt werden. „Je nach Bedarf und Anfrage werden wir dann ab dort wieder einstündige Rundfahrten anbieten können“ hieß es aus der Markkleeberger Seefahrerzentrale weiter. Der Liegeplatz Stadthafen Schreberstraße bleibe vorerst weiterhin aktiv.

Ökolöwe: Sanierung Nahleauslassbauwerk – Wieder nur maschineller Hochwasserschutz

27 Mrz

Pressemitteilung, 26. März 2013: Nahleauslassbauwerk soll saniert werden – Ökolöwe kritisiert Verfestigung des technischen Hochwasserschutzes – Leipziger Auwald braucht Wasser

Derzeit läuft die Beteiligung der Umweltverbände zur Neuerrichtung des Nahleauslassbauwerkes. Baulich soll am Wehr keinerlei Veränderung erfolgen, was auf ein „Weiterso“ in der Hochwasservorsorge mit massiven technischen Anlagen hindeutet. Das ruft großen Widerspruch des Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. hervor, der sich seit Jahren intensiv mit den Naturschutzbelangen im Leipziger Auensystem beschäftigt.

Nahleauslass. Foto:Bernd  Reiher

Nahleauslass. Foto:Bernd Reiher

Seit den 1970er Jahren kann bei extremen Hochwassern die Nordwestaue gezielt geflutet werden. Dies geschah zum ersten und einzigen Mal zu Jahresbeginn 2011, als das Hochwasser von Weißer Elster und Parthe für einen aller dreißig Jahre zu erwartenden Hochwasserstand sorgten.

Nun soll nach der vorgelegten Genehmigungsplanung das Bauwerk neu errichtet und der alte Zustand verfestigt werden. Mit der gewählten unverändert hohen Fixierung der Überlaufschwelle (der sogenannte Fachbaum) wird zu selten Wasser in den Auwald fließen und das Feuchtbiotop trocknet weiter großflächig aus. Damit stellt sich die Landestalsperrenverwaltung (LTV) gegen ihr eigenes Hochwasserschutzkonzept.

Das wurde 2004 veröffentlicht und forderte eine reduzierte Fachbaumhöhe um mehr Wasser in die Aue zu lassen. „Mit dem Festhalten an der Planung vergeben die Stadt Leipzig und vor allem die LTV ein zentrales Steuerungselement zur Auwaldflutung und damit zur Renaturierung und verstoßen zudem gegen den Verbesserungsgrundsatz der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, merkt Holger Seidemann vom Vorstand des Umweltvereins an. Die Zukunft des Auwalds sieht mit dem Festhalten am Projekt nun ziemlich düster aus. Erst wurden massive Baumfällungen vorgenommen, später folgten Deichausbauten und nun steht die Verfestigung der Flutungssteuerung auf technisch längst überholtem Niveau im Raum.

Eine vielversprechende Möglichkeit, die Erfordernisse von Naturschutz und Wasserwirtschaft zu kombinieren, sieht der Ökolöwe in der Bewirtschaftung der Burgaue als „ökologischem Polder“, wie bereits erfolgreich am Oberrhein realisiert (bspw. Polder „Söllingen/Greffern“ in Baden-Württemberg). Dort wird ein natürliches Übertreten des Wassers in den Polder bereits bei kleinsten Hochwasserereignissen ermöglicht. Nur im Zuge von größeren Hochwasserereignissen wird das Einlassbauwerk geschlossen um dann bei ansteigendem Hochwasser die gewünschte Regel- und Steuerbarkeit des Hochwasserscheitels gewährleisten zu können. Bezogen auf die Burgaue müsste das dann deutlich abgesenkte Nahleauslassbauwerk im Normalzustand immer offen bleiben und würde für regelmäßige natürliche Auenüberflutungen sorgen. Nur bei den seltenen großen Hochwasserereignissen würde ein Schließen des Bauwerks und Steuern der Hochwasserwelle erfolgen.

„Zusätzlich gehen wir davon aus, dass die Planung rechtwidrig ist. Die großflächigen Baufeldvorbereitungen im Schutzgebiet fanden bereits illegal im Rahmen der sehr umfangreichen Baumfällungen im Februar 2011 statt“, konstatiert Seidemann weiter. Das Thema wird der Ökolöwe nicht aus den Augen verlieren und prüft derzeit alle Möglichkeiten, um die gezielte Austrocknung des Auwaldes zu unterbinden.

NuKLA: Warum AULA 2030 und was hat das mit dem UNESCO-Titel zu tun

26 Mrz

Pressemitteilung NuKLA (Natur und Kunst Leipziger Auwald) e.V.

Liebe Naturfreunde! Wie Sie sicher alle wissen, ist der Leipziger Auwald seit reichlich einem Jahr sehr in den öffentlichen Debatten präsent. Deutlich länger, aber nicht so öffentlich ist er im Fokus sehr unterschiedlicher Interesse und „Be-nutzungs-Visionen“: Mit dem WTNK „Wassertouristischen Nutzungskonzept“ für das Leipziger Neuseenland wurden bereits vor etlichen Jahren Tatsachen geschaffen, die, würden sie so, wie sie da stehen, 1:1 umgesetzt werden, definitiv das Ende des einmalig urbanen Auenökosystems bedeuten, das umgangssprachlich als „Leipziger Auwald“ bezeichnet wird. Dies ist mir – und nicht nur mir – im Laufe meiner immer tiefer gehenden Beschäftigung mit dem Thema auf alarmierende Weise klar geworden.

NuKLA e.V.: Vorsitzender und Sprecher Wolfgang Stoiber im Januar 2013. Foto: Bernd Reiher

Gewässerausbau in Salamitaktik – Auwald bedroht – Durch Unesco-Idee alle Rettungskräfte an einen TIsch: NuKLA-Sprecher Wolfgang Stoiber im Januar 2013. Foto: Bernd Reiher

Hinter der Idee des WTNK stehen Interessengruppen, die ihr Konzept der Motorisierung und Schiffbarmachung auch der sensiblen Auwaldgewässer mit – durchaus angefochtenen – Zahlen als profitabel vorrechnen: Mit mehr als 1.000 Schiffsbewegungen pro Tag würden die Investitionen refinanzierbar sein, mit jährlichen Einkommenseffekten im zweistelligen Millionenbereich wird ebenso argumentiert wie mit einem relevanten Anstieg von Arbeitsplätzen, ohne dass diese Zahlen wirklich begründet werden.Es ist zu befürchten, dass man bei den Planungen ähnlich vorgeht wie bei den Kostenvorausberechnungen für ähnliche Großprojekte (Citytunnel, Stuttgart 21).

Gegenteilige gutachterliche Aussagen werden gar nicht erst eingebracht, eine öffentliche Debatte unterbleibt, dass der Bürger, würde er befragt, sowieso nur dagegen sei, dient hinlänglich als Begründung für permanentes Ignorieren seiner Meinung.

Völlig außer Acht gelassen werden außerdem die zwingend in die Rechnungen einzubeziehende Investitionsfolge- und Unterhaltungskosten, die bei einem Großprojekt wie zum Beispiel dem Elster-Saale-Kanal oder dem darin geplanten Schiffshebewerk in beachtlicher Höhe auflaufen werden: weder gibt es Bemühungen, hier auch nur annähernde Zahlen zur Verfügung zu stellen, noch wurden oder werden diese Kosten überhaupt in die Diskussion gebracht. Stattdessen wird der avisierte Gewässerausbau (zum Beispiel auch derjenige, welcher die Auwaldgewässer betrifft) scheibchenweise als notwendig und zielführend „verkauft“.

Und jede diesbezügliche neue Investition wird damit begründet, dass ja bereits so viel Geld in die Renaturierung der ehemaligen Tagebaue geflossen ist, dass man jetzt nicht mit Investieren aufhören dürfe. Dabei wird geflissentlich verschwiegen, dass die Renaturierungen geschlossener Tagebaue den Tagebaubetreibern gesetzlich verpflichtend obliegt: Diese Gelder müssen fließen und sind bereits während der Förderung als Kosten eingestellt, also verdient – letztlich finanziert über die Bürger, die Energie aus dem Kohleabbau beziehen.

Es ist also ein demagogischer Taschenspielertrick, zu behaupten, man müsse die Gewässer (weiter) ausbauen für touristische Nutzung, damit die vorherigen Kosten – nämlich die für die Sanierung, die aber gerade keine Investitionen sind – gerechtfertigt wären.

Ich möchte an dieser Stelle keine Debatte über das offensichtlich schöngerechnete und machbargeredete WTNK eröffnen – allein die Zahl der notwendigen Bootbewegungen pro Tag spricht bei gesundem Menschenverstand für sich. Es erscheint mir allerdings wichtig, sich dieser Aspekte der Debatte zumindest bewusst zu sein.

Das Interesse am Thema „Leipziger Auwald“ bezogen auf dessen Schutzwürdigkeit und Nutzung geht quer durch alle Schichten der Leipziger Bevölkerung, allerdings eher diffus, emotional hoch besetzt und meist wenig fachlich fundiert.

Gleichzeitig bemühen sich seit der Wende Naturschützer darum, den Auwald wirksam zu schützen. Wiewohl es Erfolge gibt wie das Projekt „Lebendige Luppe“, existieren FFH- und Naturschutzgebiete im Leipziger Auwald, deren Umsetzung, aus welchen Gründen auch immer, auf sich warten lässt. Kostbare Auwaldfläche, die ein wichtiges Verbindungsstück an einer sowieso schon sehr schmalen Stelle zwischen nördlichem und südlichem Teil des Auwaldes ist, wird an einen Fußballverein verscherbelt, obwohl dieser selbst bereit gewesen wäre, sein Trainingszentrum an anderer Stelle zu errichten. Weitere schutzwürdige Gebiete könnten ausgewiesen werden, doch auch hier geschieht nichts. Dies in der Summe und vor dem Hintergrund des WTNK als rein zufällig einzuordnen, fällt schwer.

Und so werden Belange des Naturschutzes und einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung der Region weiterhin in Politik und öffentlichem Bewusstsein vernachlässigt; der Naturschutz wird regelmäßig Wirtschaftsinteressen untergeordnet: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“ So die indianische Weisheit.

Mit der UNESCO-Idee wollen wir das ändern und einen Bewusstseinswandel herbeiführen. (Ich beziehe mich auch auf Hermann Schefers: „Was es heißt, eine Welterbestätte zu sein: 7 Thesen zu einer vieldiskutierten Frage“.)

Der Schutz des einmaligen urbanen Auenökosystems „Leipziger Auwald“ soll der Maßstab des Handelns werden!
Die zentralen Aufträge der UNESCO – Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation – sollen bezogen auf den Auwald in den Fokus des öffentlichen Handelns rücken.

Daraus resultieren Erfordernisse wie die Erforschung und Vermittlung, das Erfordernis eines in jedem Falle dynamischen Prozesses der Aneignung sowie das Erfordernis der Herstellung von Bezügen zu vergangener, aktueller und zukünftiger Lebenswelt. Die Bedeutung eines Welterbe-Ortes wird damit sowohl Quelle als auch wichtigster Gradmesser für das, was an ihm und mit ihm geschieht und geschehen darf.

Wichtigste immaterielle Komponente eines Welterbe-Ortes ist das, was man als seine „Aura“ bezeichnen könnte, seine Bedeutung, die wegen ihrer hohen Verletzbarkeit unbedingt geschützt werden muss vor schleichender Entwertung und irreparabler Ver-Nutzung. „Welterbestätten sind per se Bildungsstätten“ (so H. Schefer), also Orte mit immanentem Auftrag zur Bildung. Hier sollten behutsame touristische Erschließung und ein pädagogischer Zugang zum Welterebe-Ort für Menschen allen Alters das Mittel des Wahl sein. Und nicht zuletzt steht der weltoffene Geist eines Welterbes in steter Verbindung mit dem Anliegen anderer Welterbe-Orte und ist damit lokaler und regionaler Vermittler der oben genannten globalen UNESCO-Anliegen.

So ist aus unserer Sicht das Bemühen um einen UNESCO-Welterbetitel eine überzeugende Leitidee für eine nachhaltige, naturverträgliche, das Verantwortungsbewusstsein der Menschen fördernde und fordernde Entwicklung – statt erhofften Massen-Wassertourismus, Motorbootverkehr und Vergnügungsparks als erstrebenswert zu erachten und deren Ausbreitung zu forcieren.

Aber wie kann man einen Bewusstseinswandel erreichen? Die Naturschützer haben einige Erfolge vorzuweisen, doch die schleichende ökologische Entwertung des Auwalds konnten wir alle bisher nicht stoppen. Und sollte das WTNK so, wie es da schwarz auf weiß steht, 1:1 umgesetzt werden, wird es kein Auenökosystem in der Stadt Leipzig mehr geben.

Unser Ansatz ist deshalb die Idee einer UNESCO-Bewerbung für die Auengebiete von Zeitz bis Halle mit dem einzigartigen urbanen Leipziger Auwald als Kern. Damit wollen wir erreichen, dass unsere Ziele zum Schutz der Auenlandschaften breiten Rückhalt finden bei Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Vereinen, Bürgern usw.

Das jedenfalls ist unsere Hoffnung; deshalb haben wir zusammen mit dem NABU-Regionalverband Leipzig “AULA” gründet, die “Arbeitsgemeinschaft zur Erarbeitung einer möglichen UNESCO Bewerbung für den Leipziger Auwald und Umgebung”, um mit Fachleuten, Naturschützern und anderen am Auwald Interessierten darüber zu beraten, was notwendig für den weiteren Schutz dieser Auenökosysteme ist und wie sich das realisieren lässt.

Es soll an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt bleiben, dass es einige für den Auwald Engagierte gibt, die dieses Ansinnen nicht mit uns teilen. Darum möchten wir versuchen zu erklären, worum es uns geht: nämlich um einen umfassenden Schutz der noch existierenden Auenökosysteme in unserer Region, der getragen wird von ihren Bürgern. Diese besonderen Ökosysteme beherbergen – Dank vielfältiger Bemühungen von Naturschützern – noch immer oder wieder aufs Neue – eine beachtliche Vielfalt schützenswerter, z. T. vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenart. #

Deren Lebensräume zu erhalten und für die Zukunft zu sichern, ist Ziel unserer Aktivitäten. AULA will deshalb ein Konzept entwickeln, das Ökologie, Ökonomie und kulturelle Vielfalt berücksichtigt, Vergangenheit und Gegenwart für ein nachhaltiges Zukunftskonzept mit sanftem Tourismus verbindet und die Notwendigkeit des Auen-Landschaftsschutzes im Bewusstsein der Menschen verankert. Das gelingt nur mit breitem Rückhalt in Bevölkerung, Umweltverbänden, Politik und Verwaltung. Ganz am Ende steht das Ziel einer möglichen UNESCO-Welterbetitel-Bewerbung für diese Region in 15 bis 20 Jahren.

Davor steht der umfassende Schutz, der aber nicht erreicht werden soll durch den UNESCO-Titel sondern über ihn: Der Titel und seine Anliegen können das Vehikel, der Weg ist das Ziel, UNESCO-Titel ist nicht zwingend am Ende das Ergebnis, jedoch soll der Geist dieses Titels Träger einer Idee für die Zukunft unserer Region werden! Das Ergebnis soll ein Konzept für einen fachlich fundierten, ökologisch sinnvollen, nachhaltigen Auwaldschutz mit sanftem Tourismus sein.

Uns geht es darum, mit breitem Rückhalt Positives für die Auwaldnatur zu erreichen. Erst wenn es hier weitere deutliche Fortschritte gibt, wenn der Schutz der sensiblen Auwaldbereiche tatsächlich umgesetzt und gesichert ist, wenn es beispielhafte Projekte für eine naturverträgliche Touristenlenkung und Umweltbildung gibt, wenn die einmalige Verbindung von kulturellem und natürlichem Erbe deutlich wird und wenn es umfassende Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung und Bewahrung dieses Schatzes gibt, erst dann könnte es eine UNESCO-Bewerbung geben!

Wir Initiatoren wollen nicht den UNESCO-Titel, weil wir uns davon einen besseren Auwaldschutz erhoffen. Stattdessen wollen wir den UNESCO-Titel und seine öffentliche Reputation nutzen, um mit mehr öffentlicher Beteiligung mehr Schutz für den Auwald bei den Verantwortlichen durchzusetzen. Unabhängig vom UNESCO-Titel soll den Menschen und allen Verantwortlichen klar werden, dass der Auwald ein kulturelles Erbe ist, das wir weit nachdrücklicher würdigen und schützen müssen, als es derzeit der Fall ist – damit uns dieser einmalige Schatz – in seiner ökologischen Vielfalt – nicht unwiederbringlich verloren geht.

Dazu wollen wir ein breites Bündnis für den Auwaldschutz bilden und würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele Vereine, Verbände, Institutionen, Universitäten und Hochschulen, Politische und Kirchliche Vereinigungen, Unternehmen, Firmen, Ämter, Kommunen, Bürger-& Bürgerinnen sich daran beteiligen.

Das von uns und vielen schon lange geforderte „Auwaldkompetenzzentrum“, das alle umweltschützerischen und fachlichen Energien bezogen auf unser Leipziger Auenökosystem bündelt, ist in diesem langjährigen Prozess ein unerlässlicher, mittelfristig zu realisierender Baustein und entspricht inhaltlich dem, was wir mit der „Leipziger Arbeitsgruppe Auenökosystem“ als Teil von AULA meinen.

Genau hier, in der „Leipziger Arbeitsgruppe Auenökosystem“, können auch diejenigen, denen es um den Schutz des Leipziger Auwaldes geht, die sich aber mit der UNESCO-Idee nicht (oder noch nicht) anfreunden können oder wollen, einen Ort finden, in dem fachliche Kompetenz, naturschützerisches Engagement und ambitioniertes politisches Handeln dem Ziel einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung einer Region und dem Erhalt der kostbaren Auenökosysteme für die kommenden Generationen den Weg bereiten!
Dazu laden wir ein!

(NuKLA e. V., Vorsitzender, Wolfgang E. A. Stoiber, 13. März 2013)

NaBu: Faltblatt stellt Flussrevitalisierung-Projekt Lebendige Luppe vor

26 Mrz

Pressemitteilung Nabu Sachsen vom 20. März 2013

Ab sofort ist ein Informationsflyer zu Idee, Maßnahmen und Zielen des Projekts „Lebendige Luppe“ in der Landesgeschäftsstelle des NABU Sachsen, im Projektbüro „Lebendige Luppe“, Michael-Kazmierczak-Straße 25 in Leipzig-Gohlis (Fon: 0341 86967550), in vielen Anlaufstellen der Städte Leipzig und Schkeuditz und in den Einrichtungen der Projektpartner erhältlich.

Für eine lebendige Luppe:

Für eine lebendige Luppe: Mehr Aufklärung über das Wiederbelebungs-Projekt durch ein neues Faltblatt. Bildquelle: Nabu

Im Rahmen des Projekts „Lebendige Luppe“, an dem neben dem NABU-Landesverband Sachsen e. V. auch Leipzig und Schkeuditz sowie die Universität Leipzig und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) beteiligt sind, sollen ehemalige Wasserläufe im nordwestlichen Auensystem wiederbelebt werden.

Von der Maßnahme profitieren zahlreiche feuchtigkeitsgebundene, auwaldtypische Tier- und Pflanzenarten wie zum Beispiel die Rotbauchunke, der Kammmolch, die Stieleiche oder die Sumpfwolfsmilch, aber auch Feuchtbiotope wie die Papitzer Lachen nahe der Stadt Schkeuditz, die zahlreiche seltene Amphibienarten beherbergen.

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