Über den Tellerrand geschaut: Erklärung der Bürgerinitiative „Werder 21“ – Bäume gefallen, Vertrauen weg

11 Dez

Erklärung „Bürgerinitiative Werder 21“, Werder (Havel)

Die Bürgerinitiative „Werder 21“ ist nach der übereilten Fällung von 46 Linden in der Eisenbahnstraße nicht bereit, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Das andauernde Informationsdefizit und die bürgerferne Politik der Stadt Werder (Havel) als auch des Landes bestehen nach wie vor.

Linden in Werder: Nach dem Fällen ist vor der Wahl. Foto: Bernd Reiher

Viel Licht dank weniger Linden in Werders Eisenbahnstraße: Nach dem Fällen ist vor der Wahl. Foto: Bernd Reiher

In unserem „Offenen Brief“ an Edgar Gaffry, Vorstand des Landesbetriebes Straßenwesen, vom 1. Oktober 2012 wurde dringlich darum gebeten, uns anzuhören. Außer einer Eingangsbestätigung erhielten wir keine Antwort. Die gestellten Fragen blieben offen.

  • Offenlegung der Entscheidungsfindungen; unter anderem Auftragsvergabe sowie Abwägungsprozesse
  • Warum wurden Naturschutzverbände bei der folgenschweren Fehleinschätzung, diese Straße wäre keine Allee, nicht einbezogen?
  • Warum wurden bis heute die Anwohner nicht über Baukosten, Nebenkosten und umlagefähige Kosten etc. informiert?
  • Warum wurde bislang keine Ausführungszeichnungen (Straßenausbau im Detail und Rohrleitungsbau) und vor allem auch Umfang und Qualität der Nachpflanzungen vorgestellt?

Des Weiteren ist ungeklärt, wann die sieben, abgestorbenen, jungen Linden im fertigen Straßenabschnitt ersetzt werden.

Abgesehen davon, dass die Stadt Werder (Havel) Anwohnern schriftlich mitgeteilt hat, dass von ihr keinerlei Auskunft gegeben wird, hat sich die Kommune völlig von ihrer Verpflichtung der Daseinsvorsorge und des Erhalts des Kulturlandes (auch Stadtgestaltung und Ökologie gehören dazu) verabschiedet. Statt sich für den Erhalt der alten Alleebäume einzusetzen und die Interessen der Anwohner zu vertreten, war diese vielmehr darauf bedacht, den schemagetreuen Planungen des Landesbetriebes den Weg zu ebenen.

Der Landesbetrieb änderte im stillen Kämmerlein seine Planungsvorgaben radikal und verfügte hierfür, in „enger Abstimmung“ mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark, dass die Baumallee in der Eisenbahnstraße keine (mehr) sei.

Alles Allee? In Werder nicht mehr, denn die Verwaltung hat Fakten geschaffen. Es folgt das übliche Prozedere, das schon anderswo hat Köpfe rollen lassen: Düpierte Bürger begehren weiter auf. Foto: Bernd Reiher

Alles Allee? In Werder nicht mehr, denn die Verwaltung hat Fakten geschaffen. Es folgt das übliche Prozedere, das schon anderswo hat Köpfe rollen lassen: Düpierte Bürger begehren weiter auf. Foto: Bernd Reiher

Naturschutzverbände, Spezialisten und die Öffentlichkeit wurden auf der Grundlage der Verfügung bewusst nicht mit einbezogen und die vorliegenden Baumgutachten zugunsten des Kahlschlags uminterpretiert, wie wir heute wissen.

Auf einer dünnen Faktenlage stimmten die Stadtverordneten im März 2012 im Bauausschuss der Radikallösung zu – ein Baumgutachter war nicht anwesend.

Auch wenn die Blockade-Taktik und die „alle-Linden-sind-krank“-PR-Aktion der Stadt Werder (Havel) und des Landesbetriebes aufgegangen sind, so bedeutet das Ende der alten Linden nicht, dass die Fragen aus dem „Offenen Brief“ obsolet sind, sondern der sogenannte „Planungsprozess“ fängt für uns nach diesem Affront erst an.

Was mit unseren Linden begann, setzen wir nun für die Zukunft unserer Straße, unserer Häuser und unserer Wohnqualität fort: Die Beantwortung der Fragen, die Offenlegung der Planung und der Kosten sowie die Forderung nach einem erschütterungsarmen Bauen stehen im Zentrum.

Darüber hinaus zeigen die Erfahrungen der letzten Monate, dass Entscheidungsprozesse in der Stadt Werder (Havel) offenbar dem Selbstverständnis einer 100-prozentigen Stellvertreter-Demokratie folgen. Dieser offensichtliche Nachholbedarf der Stadt hinsichtlich Bürgernähe und -beteiligung treibt uns an, ein Mehr an Transparenz und Basisdemokratie in der Blütenstadt jetzt einzufordern.

Bürgerinitiative „Werder 21“
Transparenz + Basisdemokratie

 

www.unsere-linden.de

 

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