Pressemitteilung IHK Leipzig: Resolution zur touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes verabschiedet

7 Sep

Widersprüchlich zu den Empfehlungen einer selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung hat sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig jetzt doch für „eine Stärkung des überregionalen Tourismus in der Region Leipzig“ auch durch Motorboote ausgesprochen. Die Träume sind auf dünnes Eis gebaut – dazu eine Anmerkung am Ende dieser Nachricht. Zuvor hier die leicht gekürzte IHK-Pressemitteilung vom 6. September 2012.

(PM): Auf der Vollversammlung (5. September 2012) der Industrie- und Handelskammer Leipzig sprachen sich die Vertreter des Unternehmerparlaments für die Stärkung des überregionalen Tourismus in der Region aus. Vor diesem Hintergrund bestätigten sie eine Stellungnahme zur Novellierung des Sächsischen Wassergesetzes und verabschiedeten eine Resolution zur touristischen Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes.

Wolfgang Topf, Präsident der IHK Leipzig: „Rund um Leipzig entsteht aus einem Tagebaurevier eine der größten künstlichen Seenlandschaften Europas. In Verbindung mit den Angeboten des Städtetourismus ergibt sich für unsere Region eine einmalige Chance den Tourismus zu einer tragenden Säule der regionalen Wirtschaft zu entwickeln. Diese müssen wir nutzen.“

Für nachhaltige und Arbeitsplätze schaffende Investitionen an den Seen bedürfe es neben klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen sowie unbürokratischen Genehmigungsverfahren vor allen einer tourismusorientierten Dienstleistungsmentalität. Das betreffe Unternehmen als auch die Bevölkerung in gleichem Maße.

„Sich von vornherein gewissen Entwicklungsmöglichkeiten zu verschließen, ist in diesem Sinne äußerst kontraproduktiv und provinziell“, so Topf. Das gelte insbesondere für die besonders heftig geführte Diskussion um die Schiffbarkeitserklärung auf den neu entstandenen Seen. „Es ist falsch zu unterstellen, dass Gewässertourismus grundsätzlich die Natur zerstört. Eine solche Schiffbarkeit unterliegt höchsten Umweltschutzanforderungen und Beispiele für eine intakte Natur trotz motorangetriebenen Booten gibt es genug. Die im Tourismus tätigen Unternehmen sind dabei äußerst verantwortungsvoll, da sie für ihren wirtschaftlichen Erfolg auf eine intakte Natur angewiesen sind.“

Die grundsätzliche Erklärung der Schiffbarkeit der Tagebaufolgeseen im Leipziger Neuseenland sei eine logische Konsequenz der seit Jahren von den handelnden Behörden und Institutionen sowie der Wirtschaft dieser Regionen propagierten Ziele zur Entwicklung des Gewässertourismus und einer attraktiven Naherholung.

Deshalb sei eine Zulassung von motorangetriebenen Booten (mit EU-konformen Antrieben) auf den Seen und Gewässerverbindungen zwingend notwendig, damit sich die Seenlandschaft überhaupt zu einer touristischen Destination von internationaler Bedeutung entwickeln kann. Dies sei die Basis für die Ansiedlung neuer wirtschaftlicher Unternehmungen in den Bereichen Freizeit, Sport und Erholung sowie in der Hotellerie und Gastronomie.

„In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Finanzmittel durch den Bund, den Freistaat Sachsen und die Kommunen in die Schaffung der touristischen Infrastruktur im Leipziger Neuseenland investiert. Mit diesen Investitionen wird das Ziel verfolgt, Gäste in diese Region zu ziehen, weggefallene Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze zu kompensieren und die Lebensqualität insgesamt zu verbessern.“

Eine konsequente Beibehaltung dieser Strategie legitimiere die bisherigen öffentlichen Zuwendungen für gewässernahe, maritim-touristische Infrastruktur und ermögliche eine langfristige Öffnung der Region für weitere private Investitionen. Gleichwohl sei für eine wirtschaftlich erfolgreiche Ansiedlung maritim-touristischer Angebote ein ökologisch funktionierendes Gewässersystem zwingend erforderlich.

Die alleinige Nutzung der Seen für die Naherholung rechtfertige die immensen Aufwendungen für die geplanten Gewässermaßnahmen nicht.

Anmerkung der Redaktion: Dass immense Fördermittel in die ehemaligen Gruben gewandert sind, wird nicht infrage gestellt. Allerdings flossen diese Gelder auch unter der Maßgabe „Wiedergutmachung nach dem Braunkohlefrevel“. Dass mit der jetzt nahenden Fertigstellung des dabei entstandenen Seen-Glücks auch neue Begehrlichkeiten entstehen würden, war von vornherein abzusehen. Dennoch muss gerade jetzt das Motto lauten: „Auf dem Teppich bleiben.“ Denn es gilt: Erst einmal das frühere Versprechen, die neue Landschaft an die Leipziger zurückzugeben, einlösen, bevor man sie auf Krampf ein weiteres Mal zu vermarkten versucht.

Dabei sind alle Befürworter der Neuseenland-Motorisierung herzlich eingeladen, sich einmal selbst gedanklich in die Position eines Bootsbesitzers zu versetzen. Wenn ich schon runde 1000 Euro im Jahr allein an Standmiete für mein Boot aufwänden muss: Bin ich dann wirklich bereit, sie im Neuseenland anzulegen, um damit auf vier Tagebauseen umherschippern zu können? Oder nehme ich das Geld nicht doch lieber für einen Hafen in Berlin/Brandenburg, um von hier aus Europas größte Binnengewässerregion zu bereisen und dabei außerdem noch die Möglichkeit zu haben, den halben Kontinent auf dem Wasserweg zu erreichen?

Die Antwort liegt auf der Hand: Da Motorbootbesitzer nicht nur Standmiete überweisen, sondern zuvor auch 20.000, 30.000 oder mehr Euro bezahlt haben, um sich den Traum vom eigenen Schiff überhaupt zu erfüllen, werden sie immer bestrebt sein,  für ihr Wasserfahrzeug die besten Nutzungsmöglichkeiten zu finden. Sind die Bedingungen für Freizeitkapitäne in Leipzig tatsächlich besser als an der Müritz, den Brandenburger Havel-Gewässern oder an den 70 Seen, auf die allein die Hauptstadt verweisen kann? Objektiv gesehen: Nein, weil das Neuseenland im Vergleich mit der Konkurrenz schlicht zu klein ist.

Wenn aber von vornherein klar ist, dass das Neuseenland allein schon wegen seiner Größe für Motorboot-Touristen kaum attraktiv sein wird – warum muss es dann trotz heftigem Bürgerprotest motorisiert werden?

Link Original-PM IHK

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