Per Straßenbahn vom Hauptbahnhof direkt an den Markkleeberger See: Einstweiliges Nein zur Verlängerung der Linie 11 wird heiß diskutiert

8 Mai

Nach der jüngsten Entscheidung gegen die Verlängerung der Straßenbahnlinie 11 in Markkleeberg-Ost wird in der Zwei-Seen-Stadt weiter über das Für und Wider einer Tramanbindung des Markkleebergers Sees gestritten.

Einer der öffentlichen Austragungsorte dieser Debatte ist die Mai-Ausgabe der „Markkleeberger Stadtnachrichten“. CDU, Die Linke und SPD nutzten im Wonnemonat ihr Fenster für „Parteienwerbung“, um ihre Argumente darzulegen.

Erwartungsgemäß weiterhin für eine Verlängerung bis an die Seepromenade sprach sich dabei die Ortsgruppe der Sozialdemokraten aus. Karsten Schütze: „Der Markkleeberger Stadtrat hat sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung der Linie 11 entschieden. Dies hat uns überrascht, da es im Vorfeld in den Ausschüssen keine Anzeichen für eine Ablehnung gab. Dabei hätte die LVB die Finanzierung übernommen. Zu deren Verkehrskonzept gehört auch ein Stadtbus, der alle Markkleeberger Ortsteile verbindet.“ Die Bedenken in puncto Lärm seien ernst zu nehmen, dürften das Vorhaben aber nicht verhindern. Für die Neugestaltung des Schillerplatzes würden sich vollkommen neue Perspektiven ergeben.

Schütze schließlich: „Die Verlängerung der Linie 11 würde für die gesamte Region einen Gewinn darstellen. Die Markkleeberger SPD ruft daher die anderer Parteien zum Einlenken auf. Die getroffene Entscheidung darf nicht die endgültige Entscheidung sein.“

„Gegen eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 11“ hieß es hingegen auch im Ortsblatt von den Christdemokraten. Absender der CDU-Stellungnahme war Oliver Fritzsche. Er schrieb zu den Hintergründen des „Nein“ aus seiner Partei: „Die CDU-Fraktion hat ihre Position sorgfältig abgewogen und sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen. Die Hauptargumente dabei sind neben den hohen Investitionskosten von geschätzten drei Millionen Euro für eine Strecke von 400 Metern ebenso der nötige Eingriff in ein mit viel Fördergeld hergerichteten Parkplatz sowie die verkehrliche Verdichtung im Bereich Seepromenade. Konflikte zwischen Fußgängern, Radfahrern, Autofahrer und Straßenbahn sind vorprogrammiert.“

Was an dieser CDU-Argumentation vor allem stutzig macht: Nach Angaben von LVB und Landratsamt ist der Parkplatz an der Seepromenade so angelegt, dass er im Bedarfsfall auch problemlos zur Straßenbahnwendestelle erweitert werden kann – die hier eingesetzten Fördermittel kommen also erst richtig zum Tragen, wenn auch die zweite Ausbaustufe realisiert wird.

Da dieser Umstand auch den Markkleeberger Christdemokraten nicht verborgen geblieben sein dürfte, ist nicht nur ihre Haltung fraglich – immerhin riskieren sie so bei der Blockade mittels Fördermittelargument ein saftiges Eigentor. Verwunderlich ist auch, warum sie mit dieser sehr eigenen Lesart der Sachlage auch noch die Öffentlichkeit verwirren.

Wenig handfeste Absagegründe aber auch in den Zeilen der ebenfalls ablehnenden Partei Die Linke. Die Genossen wiederum stören sich weder an der Quelle noch an der Idee an sich, sondern eher an der bisherigen Herangehensweise bei der Umsetzung. „Unsere Bürger haben einen Anspruch auf eine solide Information zum Sachverhalt und zur Entscheidungssituation der Stadträte, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können“ heißt es von ihnen zum Thema im Ortsblatt.

Dabei erinnert die Linke aber auch an den Ursprung des Vorhabens: Ausgangspunkt sei ein Bundesprojekt zur Förderung von Elektromobilität gewesen. Darin seien aber nur Elektrobusse und keine Straßenbahnen vorgesehen.

Die LVB hätten nun für Markkleeberg eine Projektidee mit Elektrobussen zwischen Ost und West sowie bis nach Connewitz erarbeitet – darin ebenfalls enthalten: jene Verlängerung der Straßenbahnlinie 11 bis an den See. Am 21. März sei dem Stadtrat aber nicht dieses erwartete Gesamtkonzept, sondern „völlig isoliert“ nur die Verlängerung der Linie 11 zur Entscheidung vorgelegt worden – zudem noch ohne bindende Aussage, wie die 2,5 bis 3,0 Millionen Euro Investitionskosten dafür finanziert werden sollen.

Das Fazit der Genossen deshalb: „Das mussten verantwortlich denkende Stadträte ablehnen, zumal bei dem sehr ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis.“ Darin sehen sie offenkundige Widersprüche und rufen zunächst nach einem verbindlichen „Elektromobilitätskonzept als Ganzes“.

Heißt unter´m Strich: In Markkleeberg scheinen weiter zwischenparteiliche Grabenkämpfe dafür zu sorgen, dass interessante Vorhaben in der Schublade liegen bleiben. Weil die eine Seite es nicht schafft, ihre Ideen glaubhaft zu präsentieren, blockiert die andere aufgrund mangelnder Transparenz – ein Spielchen, das wir so oder ähnlich schon aus früheren Tagen kennen. Dumm nur, dass dadurch ein Projekt ausgebremst wird, von dem die gesamte Messestadtregion profitieren könnte.

Vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn bis an den Markkleeberger See –  die Gegenargumente sind nicht so stichhaltig, als dass sie nicht aus der Welt geschafft werden könnten. Was nötig ist, um zusammen zu kommen, ist lediglich Kompromissbereitschaft auf allen Seiten. Wir hoffen bei den Markkleeberger Stadträten auf die dafür nötige Intelligenz.

Die Stellungnahmen als PDF der Stadtnachrichten

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