Grundbruchgefahr im Leipziger Neuseenland: Hochkippe Borna Nord gesperrt

12 Nov

Für die Hochkippe Borna Nord ist ein unbefristetes Betretungsverbot ausgerufen worden. Als Grund wird die Gefahr eines Grundbruches genannt. Der Gefahrenbereich liegt im westlichen bis südwestlichen Teil der Stadt Borna nahe des Speichers Borna und der S50 zwischen Borna und Deutzen.

Die „Allgemeinverfügung über Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Bereich der Hochkippe des ehemaligen Tagebaus Borna Nord“ ist vom Sächsischen Oberbergamt in Freiberg herausgegeben worden. Adressiert ist sie an alle Personen, die „den Gefahrenbereichder Hochkippe betreten oder zu betreten beabsichtigen“.

Erlassen wurde das Verbot am 18. Oktober. Wirksam wurde es mit Bekanntmachung im Bornaer Amtsblatt oder durch Aushang. Die Behörde zu den Hintergründen der Maßnahme: „Die Kippenfläche des Gefahrenbereiches entstand durch den Braunkohleabbau der ehemaligen Tagebaue Borna Nord und Borna Süd. (…) Die Kippentechnologie und die Strossenrichtung der Hochkippe sind nicht bekannt. (…) Die Höhe der sehr steil ausgebildeten Böschung beträgt zirka 10 Meter. Die Kippe besteht aus relativ gleichförmigen eng gestuften und bis zum Niveau des Wasserspiegels wassergesättigten Feinsanden. Diese weisen sehr geringe Lagerungsdichten auf und sind verflüssigungs- und grundbruchgefährdet.“

Die Kippe sei vom Grundwasserwiederanstieg betroffen. Außerdem befänden sich im Umfeld der Hochkippe „noch nicht verwahrte Hohlräume“, welche „beim Zusammenbrechen eine Gefährdung für die Kippenböschung“ darstellten.

Das Fazit des Oberbergamtes: „Unter den gegebenen Umständen befinden sich die Kippenböschungen in einem Gleichgewichtszustand. Eine spontane Verflüssigung ist insbesondere bei Auftreten äußerer sowie innerer Initiale nicht auszuschließen.“

Abteilungsleiter Christof Voigt zur Begründung des Erlasses: „Die angeordneten Maßnahmen sind zur Gefahrenabwehr erforderlich. Durch Einwirkung von äußeren und inneren dynamischen Initialen kann es zu einem Gefügezusammenbruch des lockeren und zum Teil wassergesättigten Kippenuntergrundes kommen, wodurch die Tragfähigkeit des Untergrundes verloren geht. Im Falle des Eintritts eines Setzungsfließereignisses besteht eine Gefährdung für Leben und Gesundheit der sich im Gefahrenbereich aufhaltenden Personen.“

„Setzungsfließen“ und „Grundbruch“: Zwei Begriffe, die sich mit den Ereignissen von Nachterstedt im Sommer 2009 und den Vorfällen im Tagebau Spreetal im Herbst 2010 in die allgemeine Aufmerksamkeit geschlichen haben. Im Nachgang des Unglücks am Concordia-See wurde in den Amtsstuben des Freistaates beteuert, sächsische Gruben seien sicher.

Reinhard Schmidt, Direktor des Sächsischen Oberbegamtes, am 28. Juli 2009 laut Die Welt: „Wir haben alles geprüft und festgestellt, dass wir bei uns nichts Vergleichbares zu Nachterstedt haben.“ Die Seen in Sachsen müssten nicht überprüft werden, hieß es zwei Tage vorher in derselben Zeitung von Oberbergamtssprecher Peter Horler. Dass die Vokabeln jetzt in Borna aufgetaucht sind, dürfte mit dem Umstand zusammenhängen, dass es dennoch weitere Untersuchungen gab.

Zum Erlass

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