Stichtag 30. oder 31. Oktober?: Die Silbermedaille für den Cospudener See hat zwei Seiten

6 Nov

Der Cospudener See ist der zweitbeliebteste See Deutschlands. Das zumindest will das Gewässertourismusportal seen.de in einer Netzbefragung herausgefunden haben. Das Motto lautete: „Welcher ist Dein Lieblingssee – wähle Deutschlands schönsten See“. Der Wettbewerb ging bis Ende Oktober. Sieger wurde der Tegernsee mit 12 Prozent aller Stimmen. Platz drei ging mit 8,1 Prozent an den Bodensee. Der zweite Platz für den Cospudener See schlug mit 9,4 Prozent Klickanteil zu Buche.

Am Ende ein für viele Beteiligte überraschendes Ergebnis – das allerdings in vielerlei Hinsicht. Denn: Ob die Silbermedaille für den Cospudener See sauber verdient ist, darf bezweifelt werden. Das Leipziger Gewässer hat sich den zweiten Platz erst im Verlauf des 31. Oktober erkämpft. Ginge es nach den Teilnahmebedingungen, die unter „Spielregeln“ veröffentlicht wurden, dürfte dieser Tag aber nicht mehr gewertet werden. Sie dürften die Grundlage dieses Ausscheides mit insgesamt rund 30.000 abgegebenen Stimmen gewesen sein – am 30. Oktober jedoch lag der Cospudener See noch hinter dem Chiemsee auf Platz vier.

Dass auch der 31. Oktober ein Wertungstag sein soll, um diesen Hinweis wurden die „Spielregeln“ erst am letzten Oktobertag erweitert – einen Tag nach dem ursprünglich dort angedeuteten Wettbewerbsende. Peter Scharpfenecker von der veranstaltenden „more virtual agency“ am 31. Oktober gegenüber radioneuseenland.de zu den Beweggründen: „Ich gebe Ihnen recht, auch wenn sich die Aussage in den Spielregeln lediglich auf das Gewinnspiel und nicht auf das Voting bezieht, könnte der Text mißverstanden werden. Wir haben einen Hinweis zur Verdeutlichung hinzugefügt. Da heute aber definitiv die meisten Stimmen/Tag abgegeben wurden, ist wohl davon auszugehen, dass unser Text grundsätzlich richtig interpretiert wird.“

Verlosung vor dem Finale? Die einzige Problemstelle bei der Veranstaltersicht auf die Dinge ist das nicht. Mit zweideutigen Teilnahmebedingungen, nachträglicher Konkretisierung und eigener Auslegung kommen noch drei weitere hinzu. Weil es missverständliche Spielregeln gab, kommen zwei höchst unterschiedliche Resultate als Endergebnis in Betracht. Beide können maßgeblich sein. Scharpfeneckers Agentur aber entschied sich für den 31. Oktober und damit die eigene Lesart. Die Basis dafür jedoch ist: reine Vermutung. Eine gute Grundlage, um eine faire Abstimmung zu garantieren, ist das nicht.

Was passiert im Sport, wenn die Wettkampfleitung derart patzt? Das Rennen wird nicht gewertet beziehungsweise annulliert. Das ist nicht geschehen. Auf halbem Wege hätte es immerhin noch die Möglichkeit gegeben, anstatt der umstrittenen Werte vom 31. Oktober einfach das offenbar spielregelkonformere Zwischenresultat vom 30. Oktober als Endstand zu nehmen. Auch diese Möglichkeit klarerer Verhältnisse schien für Scharpfenecker nur wenig interessant – eine entsprechende Anfrage blieb unbeantwortet.

Damit können wir uns zwar freuen, den vielleicht zweitbeliebtesten See Deutschlands in unserer Mitte zu haben. Weit aus dem Fenster lehnen können wir uns mit dieser Silbermedaille aber nicht – draußen könnte jemand stehen, der von ihrem Zustandekommen weiß. Das ist schlussendlich das wirklich Dumme an dieser Angelegenheit: Während der Cospudener See selbst im „regulären“ Spielbetrieb einen Spitzenplatz belegt hätte, kann er im Endeffekt mit keinem Ergebnis wirklich punkten.

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