Ufersicherung und stufenloser Steg: Neues von Karl Heine´s Kanal

21 Okt

Der Karl-Heine-Kanal ist eine der idyllischsten und damit auch meistgenutzten Wasserstraßen der Messestadt. Seine Ufer jedoch galten lange als Problemzonen. Ob ihr einstmals desolater Zustand tatsächlich nur auf die Wellenbildung oft und schnell vorbeigleitender Herold-Boote zurückging, muss jetzt nicht mehr diskutiert werden. Am 14. Oktober hieß es aus dem Rathaus: „Böschung am Karl-Heine-Kanal erfolgreich saniert – Eröffnung eines behindertengerecht ausgebauten Schwimmstegs“.

Die Sicherung der Böschung sei jetzt weitgehend abgeschlossen, ließ der Stadtsprecher in der zugehörigen Medienmeldung wissen. „Seit 2006 wurden rund 90 Prozent der insgesamt 2,6 Kilometer langen Uferböschungen saniert“ lautete es dazu aus dem Pressebüro des Rathauses. Insgesamt seien rund 1,9 Millionen Euro an den Ufern der Wasserstraße verbaut worden.

Die Gelder dafür seien aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“ und dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gekommen. Weiterhin seien sogenannte „Vergabe-AGH“ zum Zuge gekommen. Die Stadt selber habe sich mit einem finanziellen Eigenanteil in Höhe von rund 455.000 Euro beteiligt.

Dass die Wasserstraße im Leipziger Westen mit Beendigung der Ufersicherungsmaßnahmen auch einen barrierefreien Zugang bekommen hat, wurde von den städtischen Medienverwaltern nur in einem Nebensatz erwähnt. „Zum Abschluss der Arbeiten wurde auch am Stadtteilpark Plagwitz ein behindertengerechter Schwimmsteg frei gegeben“, lautete der Kurzkommentar aus dem Rathaus dazu.

Ein Thema, zu dem diesmal in der L-IZ mehr zu erfahren war. Sie hatte den einstigen SPD-Stadtchef und heute als Reporter tätigen Gernot Borris zum Ortstermin geschickt. Ihm verriet Sabine Heymann, dass es schon seit 2008 Pläne für einen solchen barrierefreien Anleger gegeben habe. Zur dahintersteckenden Idee hieß es aus ihrem Wasser Stadt Leipzig e.V.: „Mit diesem Steg wird es Senioren, Behinderten und jungen Eltern mit Kinderwagen deutlich erleichtert, eines der Leipziger Ausflugsboote zu nutzen oder in ein eigenes Ruder- oder Paddelboot zu steigen.“

Seit sich Leipzig als Wasserstadt präsentiert, sei Barrierefreiheit nie ein Thema gewesen, lautete es im selben Beitrag von Rolf Sondershaus vom Leipziger Behindertenverband. Gerade Rollstuhlfahrer seien ihm zufolge so bislang von den wassertouristischen und wassersportlichen Möglichkeiten ausgeschlossen gewesen.

Während die Sache mit dem Steg in der städtischen Pressemeldung nur eine Nebenrolle spielte, wurden die Autoren in ihren Zeilen aber wieder konkreter, als es um die Frage ging, warum die jetzt weitgehend beendeten Ufersicherungsmaßnahmen einstmals eigentlich nötig geworden waren.

Der Stadtsprecher zu den Hintergründen der Böschungssanierung: „Der Karl-Heine-Kanal besitzt neben seiner stadtökologischen Funktion als Biotop und seiner Bedeutung für den Bootstourismus auch eine Verbindungsfunktion aufgrund des parallel zu ihm verlaufenden Radwegs zwischen den Stadtteilen Schleußig, Plagwitz und Lindenau. Die vielerorts steilen Böschungen des Kanals unterlagen in der Vergangenheit einer kontinuierlichen Erosion durch Wellenbildung und den ungeregelten Abfluss von Regenwasser über die Böschungen. Dadurch kam es in den vergangenen Jahren zu einer Versteilung der Ufer, zu Uferabbrüchen und Unterhöhlungen an den Kanalflanken.“

Zur dabei angewandten Technologie teilte das Rathaus schließlich mit: „Um den Erosionsverlauf an den Böschungen zu stoppen, wurden umfangreiche ingenieurbiologische Böschungssicherungsmaßnahmen und Arbeiten zur Ableitung von Regenwasser in Auftrag gegeben. Mit den Arbeiten konnte zum einen die Wasserwechselzone gesichert und zum anderen die ökologische Wertigkeit des Kanals erhöht werden. Dort, wo die Ufer herunter gebrochen und stark unterspült waren, wurden technische und biologische Verfahren (z. B. die so genannte ingenieurbiologische Ufersicherung) angewandt.“ Neben den sofort wirkenden Böschungsstabilisierungsmaßnahmen sorge der „ingenieurbiologische Uferverbau“ durch Röhrichte für eine „hohe biologische Diversität an den Gewässerflanken“.

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