Foto der Woche: Schreberbrücke, Stadthafen Leipzig, 20. September 2011, 21.37 Uhr

22 Sep

Die Schreberbrücke ist mittlerweile das Eingangstor zum Stadthafen Leipzig. Unter ihr hindurch führt der Weg für alle, die den zentrumsnahen Anleger auf dem Wasserweg erreichen wollen – oder von hier aus in Richtung Pleiße, Elster und Neuseenland starten. Seit dem Frühjahr 2011 zeigt sich die Schreberbrücke in neuer Form. Der alte Steg musste weichen, nachdem er von der Verwaltung als baufällig eingestuft wurde.

Die Eröffnung der neuen Schreberbrücke ging am 14. Mai über die Bühne. Eine der Gratulantinnen war die Leiterin des Leipziger Verkehrs- und Tiefbauamtes, Edeltraut Höfer. Anlässlich der Weihe sagte sie bei Leipzig Fernsehen zur Entstehung des neuen Bauwerkes: „Angesichts des Bauzustandes der Brücke, der vorhandenen Verkehrseinschränkungen, der geplanten Aufweitung des Elstermühlgrabens im Einfahrtsbereich zum beabsichtigten Stadthafen sowie den neuen Anforderungen an den freizuhaltenden Lichtraum für die wassertouristische Nutzung des ausgebauten Elstermühlgrabens war ein kompletter Ersatzneubau erforderlich.“ 18 Monate habe der Bau gedauert, 850.000 Euro seien in den Brückenbau geflossen.

Der neue Steg sieht freilich nicht nur tagsüber schick aus, sondern macht auch bei Nacht eine gute Figur. Verantwortlich dafür sind auch in seine Geländer eingelassene Leuchtmittel, die regelmäßig in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Morgenröte blaue Lichtsignale in die Dunkelheit des Stadthafens schicken.

Warum dafür gerade die Farbe blau gewählt wurde, diese Frage steht auf einem Blatt, dem die zugehörige Antwort bisher noch fehlt. Aufklärung direkt vor Ort gibt es allerdings zu einem anderen Teilaspekt dieser Gegend: Der Vorgeschichte des Areals.

Der zugehörige Text wurde auf einem Schild hinterlassen, das ebenfalls in das Geländer des neuen Bauwerkes eingearbeitet worden ist. Zur Historie der Gegend, die sich seit 2010 als „Stadthafen Leipzig“ einen neuen Namen macht, ist darauf vermerkt: „Hier, auf einer Insel zwischen zwei Elsterarmen, wurde 1866 die Neue Leipziger Schwimmanstalt – das spätere Schreberbad – eröffnet. Die Herren- und die Damenbecken waren mit Tief- und Flachbassins, ‚Auskleidezellen‘ und ‚Springgerüsten‘ ausgestattet. Nach Kriegsschäden und Umbauten blieb nur das Hauptgebäude erhalten. Das Bad wurde 2007 modernisiert.“

Scheinbararer Namensgeber ist der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861). Über ihn heißt es in der Wikipedia: „Er lernte an der Thomasschule und studierte an der Universität Leipzig. 1844 übernahm er die Leipziger orthopädische Heilanstalt. In seinen Schriften beschäftigte er sich vor allem mit der Gesundheit der Kinder und den sozialen Folgen des Stadtlebens am Beginn der Industrialisierung. Neben ’systematischer Heilgymnastik‘ warb er auch für eine Ertüchtigung der Stadtjugend durch Arbeit im Grünen, etwa in Armen- und Specialgärten, da das Umfeld der Mietskasernen wenig entsprechende Möglichkeiten bot.“

Oft wird Schreber auch als Urvater aller deutschen Kleingärtner gehandelt – dass dem scheinbar doch nicht so ist, auch darüber weiß die Wikipedia zu berichten. Im Artikel „Kleingarten“ heißt es in der Netz-Enzyklopädie: „Schreber war jedoch nicht der Erfinder der Schrebergartenbewegung, wie landläufig noch immer angenommen wird, sondern nur der Namensgeber. Es war sein Mitstreiter, der Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild, auf dessen Initiative der erste Schreberverein zurückgeht.“

Wer auch immer es war: Dass in der Gegend einmal ein Hafen entstehen würde, den gas- und elektrobetriebene Motorboote ansteuern, um Touristen aus aller Welt in Richtung eines „Neuseenlandes“ zu verfrachten, haben wohl weder Schreber noch Hauschild auf dem Zettel gehabt. Sie kannten Orte wie Magedeborn, Cröbern und Cospuden noch als lebendige Dörfer und nicht als Begriff für eine Halbinsel, eine Deponie oder einen Baggersee. So gesehen sind die blauen Lichtstreifen an der neuen Schreberbrücke auch ein Zeichen für den Wandel der Zeit – welch enormen Fußabdruck er bei seinem Marsch durch die Leipziger Tieflandsbucht bisher hinterlassen hat.

Netzinfo Schreberbad und Projekt Stadthafen beim Neue Ufer e.V.

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