Archive | August, 2011

Foto der Woche: Lindenauer Hafen, 30. August 2011, 13.32 Uhr

30 Aug

Birken, Hagebutte, Ruinen, Schilf und Wasser – der Lindenauer Hafen ist ein städtisches Architektur- und Naturidyll ganz  eigener Art; besonders an den 362 Tagen im Jahr, an denen sich nicht das Wasserfest hier tummelt. Doch dem beschaulichen Stück Wasserlandschaft, in dessen rund 80-jähriger Geschichte Schiffe nur höchst selten aufgetaucht sein sollen, droht Veränderung. Der Lindenauer Hafen zum Wohnen, Leben, für Boote, Gewerbe und Touristen – so will es der Plan, der sich mit dem Baulärm von der Luisenbrücke langsam auch in das einstige Niemandsland zwischen Anlegerareal und Karl-Heine-Kanal frisst.

Doch der Fortschritt treibt auch ganz andere Blüten – zarte Zuckungen des Gegenwindes für einen Vorgang, den man irgendwie durchaus auch der Thematik „Gentrifizierung“ mit unterschieben kann. Was der Verfasser uns mit seinem Vergleich „Was willst Du?“ genau sagen will, darauf mache sich jeder seinen eigenen Reim. Das wirklich spannende an seiner Frage jedoch ist: Wie lange wird dieses Schild so wohl noch stehen?

Uferschäden nicht auszuschließen: Gisela Kallenbach, der Floßgraben und eine Kleine Anfrage an den Landtag

26 Aug

In der Landesdirektion Leipzig ist derzeit das Verfahren zur Schiffbarmachung einiger Gewässer der Messestadt im Gange. Dabei auch auf dem Prüfstand der Behörde: Der Floßgraben im Auwald zwischen Leipzig und Markkleeberg. Die Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach hat Ende Juni der Staatsregierung ein paar Fragen geschickt, was sie von dem Vorhaben hält. Seit Ende Juli liegen die Antworten nun vor. Sie bestätigen: Uferbeschädigungen werden erwartet. Im Floßgraben muss motorisiert nicht nur das „LeipzigBoot“ verkehren.

Kallenbach in ihrer Anfrage zu den Hintergründen ihres Antwortersuchens: „In Leipzig läuft gerade das Verfahren zur Schiffbarmachung gemäß §35 SächsWG. In einer ersten Stellungnahme hat die Landesdirektion erklärt, dass die besonders schutzbedürftigen Bereiche der Leipziger Gewässersysteme zunächst ausgenommen werden. Am 19. Mai hat ein Team der TU Dresden ein technisches Gutachten vorgestellt. Darin wurde unter anderem verdeutlicht, dass die Mindesttiefe für Gewässer 0,6 Meter betragen muss und für eine Befahrung mit Booten vom Typ ‚Leipzig Boot‘ die Gewässer eine Mindestbreite von vier Metern haben müssten.“

Kallenbachs Frage Nummer eins in dieser Anfrage an das zuständige Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Wie beurteilt die Staatsregierung den Leipziger Floßgraben hinsichtlich der Befahrbarkeit durch Motorboote insbesiondere in Bezug auf Boote vom Typ „Leipzig Boot“?

In der Antwort dazu zitiert das SMWK das nautische Gutachten der TU Dresden. Zu den Ergebnissen heißt es dabei: „Der Floßgraben erschwert aufgrund seiner Hydromorphologie das Befahren mit Motorbooten erheblich.“ Vom Gutachter seien deshalb unter Beachtung der Randbedingungen wie Schleusen, Engstellen und Durchfahrtshöhen folgende Bootstypen für den Floßgraben empfohlen worden: „Sportboote (Breite maximal 1,80 Meter, Länge maximal 5,50 Meter). Kleine Fahrgastschiffe (Breite maximal 2,00 Meter, Länge maximal 8,30 Meter). Beide sollten einen Tiefgang von 0,30 Metern nicht überschreiten.“

Ergänzend dazu hieß es von der Behörde: „Weil es sich beim ‚Leipzig Boot‘ nur um eines von mehreren denkbaren Bootstypen handelt, solle sich die Bewertung der Befahrbarkeit – schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – nicht allein auf das ‚Leipzig-Boot‘ beschränken.“

Kallenbachs Frage Nummer zwei widmete sich dem Thema „Geld“, denn durch verstärkte Nutzung des Floßgrabens werden auch seine Ufer in Mitleidenschaft gezogen: Die Landtagsabgeordnete fragte daher: Wie verändern sich die Unterhaltskosten der Gewässer bei einer durchgängigen Befahrbarkeit durch Motorboote?

Dazu vom SMWK nur ausweichende Sätze – und eine waghalsige Theorie: „Die Höhe von bootsbedingten Unterhaltungskosten an Gewässern hängt neben der Ausgestaltung der Ufer maßgeblich von der Frequenz der Befahrung, den Bootstypen sowie der Fahrweise (auch der muskelbetriebenen) Boote ab. Die Frage kann deshalb nicht pauuschal beantwortet werden. Im Beispiel des Floßgrabens entfällt derzeit nur ein Bruchteil des Verkehres auf Motorboote, da bisher nur wenige Einzelgenehmigungen erteilt wurden. Der überwiegende Teil der Nutzer fährt mit muskelbetriebenen Booten, die den Floßgraben zum Teil mit höheren Geschwindigkeiten befahren und punktuell ebenfalls Wellenbilder an den Ufern erzeugen.“

In Frage Nummer drei ging es schließlich um die Wurst: Welche Schäden an den Natursystemen sind durch die Befahrung von kleinen Gewässern durch Motorboote zu erwarten und wie sollen mögliche Schäden verhindert beziehungsweise ausgeglichen werden?

Hier wurde dann auch die Behörde konkret. Schäden am Floßgraben sind auch aus Sicht des Umweltministeriums zu erwarten. SMWK: „Bei künftig erhöhter Frequentierung des Floßgrabens mit motorisierten Booten sind zusätzliche Belastungen der Ufer nicht auszuschließen. In Betracht gezogen wurden im Gutachten der TU Dresden Ausspülungen von Ufersedimenten, Beeinträchtigungen der Artenzahl, Entwurzelung von Pflanzen und so weiter. Dies würde gegebenenfalls zusätzliche Ufersicherungen und einen erhöhten Unterhaltungsaufwand erfordern. Prävention ist über den Verkehr und die Belastungsintensiät regelnde Vorgaben zu treffen.“

Ergänzend dazu habe aber die Stadt Leipzig berichtet, dass in der Natura-2000-Verträglichkeitsuntersuchung, erarbeitet zwischen 2005 und 2007, nachgewiesen wurde, dass muskelbetriebene und motorgetriebene gewässerangepasste Boote bis zu einer bestimmten Inntensität eine FFH-und SPA-veerträgliche Nutzung des Floßgrabens sein könnten.

Heißt unter´m Strich: Nicht abschätzbare Folgekosten, Inkaufnahme von Umweltzerstörung und schrumpfende Perspektiven für das Vorzeigeprojekt „Leipzig Boot“ wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken. Das SMWK bestätigt: „Kurs 1“ ächzt an vielen Ecken. Schon der erste Abschnitt des Leipziger Gewässerverbundes ist teuer erkauft.

Zur Studie der TU Dresden:
www.ldl.sachsen.de

Große Pläne für den Störmthaler See: Dem zweiten „Highfield“ folgen neue Vorhaben

23 Aug

Zum zweiten Mal ging vom 19. bis zum 21. August das „Highfield“-Festival am Störmthaler See über die Bühne. 25.000 Besucher sollen am Eingang gezählt worden sein. Die Leipziger Volkszeitung hat in Erfahrung gebracht, dass es bei dieser Zahl nicht unbedingt bleiben soll. 40.000 Gäste, heißt es im Blatt, seien für die nächsten Jahre angepeilt. Damit werden schon frühere Hinweise bestätigt, dass mit dem Umzug auch eine Ausweitung des Spektakels einhergehen soll.

Semmel-Geschäftsführer Dieter Semmelmann zum zukünftig vielleicht größeren „Highfield“ am Störmthaler See: „Wir glauben, dass wir für diese Menge hier ein luxuriöses Gelände erschaffen können, das national wie international zur Spitze zählt.“ Die Pläne würden von der Gemeinde unterstützt. Man könne Fördermittel für neue Wasser- und Abwasserleitungen bekommen, hieß es von Bürgermeisterin Gabriela Lantzsch. Außerdem sei ein Bebauungsplan für Ferienhäuser, ein Caravangelände sowie einen „offiziellen Badestrand“ in Arbeit.

Bei den Teilnehmern des Jugendfestivals stoßen die großen Pläne jedoch nicht nur auf Begeisterung. Kritiker im „Highfield“-Forum sprechen selbst angesichts der 25.000 Besucher der diesjährigen Ausgabe von „Überfüllung“ des Areals am Störmthaler See. Das Gelände sei schon heute „viel zu klein dimensoniert für die vielen Leute und Zelte“.

www.highfield.de

Ente der Woche: Die L-IZ und der Erlebnisrastplatz am Markkleeberger See

19 Aug

Zum geplanten und ab Ende August entstehenden Erlebnisrastplatz am Markkleeberger See schrieb die Leipziger Internet-Zeitung L-IZ am 16. August: „Mit der geplanten Anbindung des Markkleeberger Sees über die Kleine Pleiße können hier künftig auch Wasserwanderer eine Pause einlegen.“

Der Fehlerteufel steckt im Detail. Richtig ist: Ja, der Markkleeberger See soll an das Leipziger Gewässernetz angebunden werden – der Projektname dafür lautet nach bisherigen Angaben: „Kurs 5“. Falsch aber ist, dass die Anbindung über die „Kleine Pleiße“ erfolgen soll.

Markkleebergs Oberbürgermeister Bernd Klose bestätigte schon in einer Anhörung im September 2010, dass dieses Vorhaben so vom Tisch sei. Als Grund wurden umwelttechnische Bedenken bei dem kleinen Rinnsal angegeben. Statt der Routenführung über die „Kleine Pleiße“ sei mittlerweile zur Anbindung ein eigener Kanal geplant. Stadtsprecher Daniel Kreusch bestätigte auf telefonische Anfrage am 17. August, dass sich an diesem Sachstand nichts geändert hat.

Gestützt wird diese Planungstheorie von den Redakteuren von gewaesserverbund.de. Auch hier ist nichts mehr von der gewässertouristischen Anbindung über die „Kleine Pleiße“ zu lesen. Stattdessen heißt es zur geplanten Verknüpfung auf den Seiten der Gewässerverbund-Verwalter: „Die Anbindung der Pleiße an den bereits gefluteten Markkleeberger See ist in Planung. Die Planungen beinhalten den Bau einer schiffbaren Gewässerverbindung.“ Länge zirka ein Kilometer – Schleuse inklusive.

Neues Leben am alten Pleißebad: Bauarbeiten für Erlebnisrastplatz am Markkleeberger See beginnen

18 Aug

Fünf Jahre alt ist er in diesem Jahr geworden, der Markkleeberger See am Südostende der Pleißestadt. Bemerkt haben das nur wenige, andere Vorhaben sind in den Vordergrund gerückt. Eines ist die Auslaufbucht am Nordwestufer als Verbindung zur kleinen Pleiße. Ein weiteres ist ein „Erlebnisplatz“, der ab Ende August ebenfalls am Nordufer des jungen Gewässers entsteht.

Zu diesem Vorhaben teilte die Stadtverwaltung am 15. August mit: „Der Markkleeberger See wird um eine Attraktion reicher. Am 29. August 2011 starten die Bauarbeiten zur Errichtung eines Erlebnisrast- und Abenteuerspielplatzes. Das Areal liegt auf Höhe des Strandbades in Markkleeberg-Ost. Der überregionale Radwanderweg begrenzt das Baugebiet im Süden, nordwestlich befindet sich die Stadtmühle.“

Mit dem Bau des Rastplatzes werde ein Aufenthaltsort vorrangig für Familien geschaffen, der laut Rathaus „wegetechnisch am Schnittpunkt von Spaziergängern, Radwanderern und Reitsportlern liegt“. Auf rund 1940 Quadratmetern entstehe dabei ein Bereich zum Spielen, Toben und Verweilen. Kernstück der Anlage soll eine Flächennetz-Spielanlage werden. In der Umgebung sind weitere Spielflächen sowie Hängematten und Schaukeln geplant. Zum Verweilen sei außerdem eine überdachte Schutzhütte vorgesehen.

225.000 Euro sind auf Kostenseite für die Anlage vorgesehen. Fördertöpfe wurden diesmal keine genutzt – die Stadt Markkleeberg trage die Kosten allein. Markkleebergs Oberbürgermeister Bernd Klose zeigte sich nicht nur ob des Gelingens aus eigener Kraft erfreut: „In Markkleeberg steigt nicht nur die Zahl der Einwohner, auch immer mehr Besucher entdecken unsere Stadt zwischen den Seen für sich.“ Ihnen wolle man nicht nur Natur, Sand und Wasser bieten sondern auch Möglichkeiten zum Verweilen, Ausruhen und zur Freizeitgestaltung. Klose: „Ich freue mich, dass dieser Erlebnisrastplatz nun gebaut werden kann. Mein Dank gilt dem Stadtrat, der das Vorhaben mit diesem Investitionsvolumen unterstützt, obwohl wir keine Fördermittel dafür erhalten.“

Rund drei Monate sollen die Arbeiten Stadtsprecher Daniel Kreusch zufolge dauern. Bei der Planung haben die Markkleeberger Seeleute in saisonalen Dimensionen gedacht. „Mit Absicht wurden die Arbeiten nicht in die Badesaison gelegt, um Touristen beim Ausflug an den See nicht zu stören“ hieß es aus dem Rathaus schließlich. Geht alles nach Plan, könne man schon Ende November die ersten Besucher am neuen Erlebnisrastplatz begrüßen.

Foto der Woche: 17. August 2011, 19.33 Uhr

18 Aug

Seite an Seite, wie zwei frisch Verliebte die nach dem ersten Kuss noch nicht wieder voneinander lassen können, liegen sie seit einigen Wochen allabendlich in ihrem neuen Heimathafen – die zwei LeipzigBoote aus der Werkstatt des Markkleeberger Tischlermeisters Reiner Kehr. Sie sind scheinbar in den Stadthafen gewandert, weil ihr gemeinsamer Weg sie seit einigen Wochen von hier aus über den Rennbahnsteg, den Floßgraben bis weit hinaus nach Cospuden und zurück führt. Mit ihnen ist erstes wässriges Leben gekommen auf die ehemalige Industriebrache zwischen Schreberbrücke und Friedrich-Ebert-Straße – nach schwerer Geburt hat der innerstädtische Anleger endlich seine erste Bestimmung gefunden.

Ein Anblick, der so für die Messestadt neu ist. Mit ihm schleichen sich Träume in des Betrachters Gehirn. Sie zeigen einen Stadthafen, vielleicht in zehn Jahren, der sich zur beliebten Leipziger Promenade entwickelt hat. Hafenkneipen, Maler, fliegende Buchhändler und Musikanten teilen sich die einst kahlen Meter oberhalb des Anlegers. „Liebling, lass uns schwofen am Steg“ wird zum geflügelten Wort für die späten Stunden der Messestadt.

Höhepunkt des Trubels wäre allabendlich gegen Neun – dann wenn der letzte Elektrokutter mit frischem Fisch vom Cospudener „Pier 1“ einläuft. Die Ladung aus seinem Bauch wird zum Teil direkt verkauft – der größere jedoch wandert auf Eis gelegt in die neue Markthalle für den morgendlichen Verkauf.

Derweil auch reges Treiben auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens. Der Theaterkahn rüstet sich für die nächste Vorstellung – ab halb Zehn ist er wieder im „Liederwahn“. Am Ufer steht der Übertragungswagen aus Köln. Auch die Leute vom Radio sind wieder mit an Bord. Sie funken seit Kurzem wöchentlich von hier in die Welt, weil ihnen die neue kleine Hafenwelt so gut gefällt.

Was tatsächlich wohl aus dem neuen Heimathafen wird? In fünf Jahren wissen wir mehr.

„Landschaftlich einmaliges Stadtquartier zum Leben und Arbeiten“: Weitere Erschließung Lindenauer Hafen

15 Aug

Nach dem Fördermitteldämpfer vom Frühjahr schreitet die Entwicklung des Lindenauer Hafens weiter voran. Am Freitag erfolgte der Spatenstich zur Vorbereitung der weiteren Erschließung des Geländes. In den nächsten Jahren soll hier ein neues Stadtquartier entstehen. Der Startschuss wurde in Anwesenheit von Vertretern des Freistaates und der Landesdirektion abgefeuert.

Zur nächsten Etappe der Geländeentwicklung teilte das Rathaus mit: „Nach umfassenden Baufeldvorbereitungs- und Freilegungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren sollen nun mit der Trassierung der zukünftigen Erschließung sowie der Überwindung des Höhenunterschiedes zwischen Plautstraße und Hafenareal die Voraussetzungen für die Errichtung der Erschließungsanlagen ab dem Jahr 2012 geschaffen werden.“

Baubürgermeister Martin zur Nedden anlässlich des Spatenstichs: „Der Lindenauer Hafen gehört neben dem Karl-Heine-Kanal zu den wichtigsten Potenzialräumen in Leipzig. Für die geplante weitere Entwicklung und Bebauung dieses landschaftsräumlich einmaligen Stadtareals ist der Bau der Erschließung eine wesentliche Voraussetzung.“ Ab dem Jahr 2013 solle hier ein „multifunktionales, vielfältiges und lebendiges neues Stadtquartier am Wasser entstehen, in dem Wohnen und Arbeiten ein harmonisches Nebeneinander finden werden.“

Die Stadtentwickler erhoffen sich von der Wiederbelebung der Brachenlandschaft auch positive Nebenwirkungen für die umliegenden Viertel: „Die Entwicklung des Hafens soll dabei auch neue, positive Entwicklungs- und Vernetzungsimpulse für die angrenzenden Stadtteile Neu-Lindenau und Grünau setzen. Gestützt werden diese Entwicklungsziele durch die Anbindung des Hafens an das Leipziger Gewässernetz und die Potenzialräume des Leipziger Neuseenlandes.“

Gefördert wird die Maßnahme laut Stadtverwaltung aus dem Programm Revitalisierung von Brachflächen im Rahmen des EFRE-Strukturfonds der Europäischen Union.