Massiver Widerstand: NABU, Floßgraben, Schiffbarmachung

14 Mai

Seit Ende April läuft es, das Verfahren zur Schiffbarmachung einiger Gewässer in Leipzig. Zunächst geht es um „Kurs 1“ des gewässertouristischen Nutzungskonzeptes zwischen Stadthafen und Cospudener See. Weil davon auch der Floßgraben zwischen Markkleeberg und Leipzig betroffen ist, hat sich jetzt der NABU Sachsen eingeschaltet. Er sieht nicht nur unberührte Naturräume gefährdet, sondern auch ein rechtliches Problem.


„Freie Fahrt für freie Bürger auf Kosten der Natur?“, so war eine Pressemitteilung übertitelt, die am Dienstag von der NABU-Geschäftsstelle in der Löbauer Straße verteilt worden war. Allgemein hieß es darin zum Verfahren der Schiffbarmachung: „Im Laufe der nächsten Monate wird die Landesdirektion Leipzig darüber entscheiden, ob zukünftig der Wasserweg vom Stadthafen Leipzig über den Elstermühlgraben, die Pleiße und den Floßgraben zum Cospudener See für die Fahrgastschifffahrt und den motorangetriebenen Sportbootverkehr freigegeben sein wird. Der NABU Sachsen lehnt das Vorhaben ab.“

Konkreter wurde Bernd Heinitz. Der NABU-Landesvorsitzende zu den Gründen für das Veto: „Wir halten das jetzt laufende Genehmigungsverfahren für rechtlich bedenklich, da die Landesdirektion sowohl der Antragsteller für das Verfahren als auch die verfahrensführende Behörde ist und also über die Zulässigkeit ihres eigenen Antrages entscheiden würde. Aus Sicht des Artenschutzes und im Hinblick auf Naherholung ist das Vorhaben noch weit problematischer, wenn nicht sogar verantwortungslos, zumal bei einer positiven Entscheidung nur die Interessen einer kleinen Klientel bedient würden – zu Lasten wertvoller Natur und auf Kosten derer, die Erholung in naturnaher Landschaft suchen.“


Schadstoffeinträge, Uferabbrüche, Lärm und andere Belastungen für Mensch und Tier würden Heinitz zufolge nicht lange auf sich warten lassen. Schon jetzt rege sich deshalb bereits „massiver Widerstand seitens vieler Bürger aus Leipzig und Markkleeberg, seitens der Kanuten und der Umweltverbände.“


Zur Problematik mit den Landschafts- und Naturschutzgebieten am Floßgraben sagte der NABU-Vorstand: „Die Route durch den Leipziger Auwald führt zumindest in Teilen durch bisher nahezu unberührte Natur. Der Leipziger Auwald, ein einzigartiger Schatz inmitten der Großstadt, beherbergt das größte und bedeutendste Vorkommen von Eschen-Ulmen-Auwald in Sachsen mit sehr wertvollen Altholzbeständen und das umfangreichste sächsische Vorkommen von Stromtal-Auenwiesen.“

Hervorragend sei die „faunistische Ausstattung“. Elf nach FFH-Richtlinie geschützte Arten kämen hier vor. Außerdem 18 Vogelarten, die nach der Vogelschutzrichtlinie geschützt sind.

Den Floßgraben stuft er dabei als „besonders sensibel“ ein. Heinitz: „Er fließt im historischen Bett der Batschke durch den südlichen Leipziger Auwald, weist in der Regel das klarste Wasser der Leipziger Flüsse auf, ungetrübt von aufgeschwemmten Sedimenten, und durchzieht mehrere Gebiete, die nach europäischem und Landesrecht geschützt sind.“

Der NABU-Vorsitzende zur geplanten Verkehrsertüchtigung: „Ein ungezügelter Motorboottourismus widerspricht den Schutzzielen und würde sich verheerend auf diese Gebiete auswirken, so auch auf das Naturschutzgebiet ‚Elster- und Pleiße-Auwald‘.“

Das Fazit des Bernd Heinitz: „Dieses NSG, das im nächsten Jahr 50 Jahre alt wird, hat den Sozialismus und die ersten zwanzig Jahre nach dem Anschluss der DDR an die BRD unbeschadet überstanden und soll nun wegen einiger weniger, die es gerne laut und schnell haben, doch noch irreparabel Schaden nehmen.“

Für ihn wäre die Freigabe eine „unakzeptable Entscheidung“. Zumal man befürchten müsse, dass sie „nur ein erster Schritt sein würde, um schließlich die gesamte Seenlandschaft für den Motorbootverkehr zu erschließen.“ Diese würde dann von Wasserwanderern, Individualtouristen, Naturliebhabern und anderen Erholungsuchenden zunehmend gemieden.

Anderswo, so im Fränkischen Seenverbund zum Beispiel, seien Motorboote auf den betroffenen Gewässern vom Bootsverkehr ausgeschlossen. Dort habe sich das Verbot für die strukturschwache Region als Volltreffer erwiesen. Mit Vorteilen für den Tourismus: denn gerade weil es hier keine Motorboote gibt, befinde der sich im Aufwind.

Daran, so Heinitz schließlich, sollte sich die Landesdirektion orientieren, anstatt „ein kostbares und in Europa einzigartiges Auengebiet ohne zwingende Gründe weiter zu schädigen.“

Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Momentan ist zumindest noch unbekannt, wann überhaupt mit einem Ende des Verfahrens zu rechnen ist. Während die Landesdirektion noch prüft und die Umweltschützer protestieren, werden auf Seiten der Gewässerverbund-Entwickler aber schon die Feierlichkeiten zur Eröffnung von „Kurs 1“ geplant. Sie sollen am 20. August über die Bühne gehen. Arbeitstitel: „Tag blau“. „Das Kommunale Forum Südraum Leipzig, der Grüne Ring Leipzig, die Stadt Leipzig und viele weitere Partner werden diesen Tag im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen aktiv mitgestalten“, heißt es dazu auf gewaesserverbund.de.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: