Plan für den Problempatient: Elsterstausee, Förderverein, Nutzungskonzept

4 Jan

Der Elsterstausee im Südwesten von Leipzig, ein prächtiges Bild ist es nicht, das er momentan bietet. Das Wasser ist verschwunden. Das, was einmal der Seegrund war, ist mittlerweile mit sattem Pflanzengrün bedeckt. Vegetation, deren Wurzelwerk dem Gewässerboden zusätzlich zu schaffen macht. Erst im Dezember gab es deswegen einen Freiwilligeneinsatz, bei dem 150 Bürger innerhalb von zwei Stunden rund 1.500 Bäumchen aus dem Seeboden gezupft haben sollen.

Abgesoffen: Der Elsterstausee im Sommer 2009.

Nur ein Jahr ist es her, dass große Teile des Elsterstausees noch mit Wasser bedeckt waren. Noch vor zwei Jahren galt das als Horrorszenario, was jetzt Realität geworden ist. Der einzige Unterschied von damals zu heute: während 2007 und 2008 noch gerungen werden musste, dass diese Sache einmal im Stadtrat landet, ist das im Jahr 2009 geschehen. Bei der Sitzung im Juni hatte sich das Gremium dafür ausgesprochen, den Elsterstausee zu retten – wenn das wirtschaftlich vertretbar ist.

Um das herauszufinden, wurde in der Folge ein Gutachter beauftragt. Seine Erkenntnisse sind zwischenzeitlich zwar ans Rathaus geliefert worden. Weil das Umweltdezernat darauf aufbauend aber einen Rettungsplan erstellen will, wird mit weiteren Meldungen zu diesem Thema wohl erst im Frühjahr zu rechnen sein.

Ob dann die Rettung kommt oder der traditionsreiche Elsterstausee vielleicht doch aufgegeben wird, ist ungewiss. Für den Fall der Sanierung hat aber jetzt wieder einmal der Förderverein Elsterstausee ein paar Schritte im Voraus gedacht und ein Nutzungskonzept für das kleine Gewässer vorgestellt. Dabei könnte eine Betreibergesellschaft der zentrale Knotenpunkt der Anlage werden. Der Clou: nach Sanierung und Neu-Befüllung wäre nach Meinung der Verfasser ein Betrieb ohne weitere Zuschüsse möglich.

Gegliedert ist das Papier in die vier Unterpunkte Betrieb, Nutzung, Gastronomie, Sport und Events. Würde es umgesetzt, versprechen sich die Seeleute eine „finanzwirtschaftlich vernünftige und sichere“ Betreibung des Gewässers. Außerdem könnten so viele „bisher unerschlossene Entwicklungsmöglichkeiten“ angezapft werden.

Kernpunkt des Konzeptes: die Betreiberstruktur. Hier schlägt der Förderverein die Gründung einer „Elsterstausee Betriebs GmbH“ vor. Sie könnte das „Herzstück“ der Anlage werden und soll für Pflege, Verwaltung und bauliche Maßnahmen des Areals verantwortlich sein. Gebildet werden soll sie aus den vorhandenen gewerblichen Nutzern und einem Investor, der als stiller Teilhaber vorgesehen ist. Beraten werden soll diese Betreibergeseellschaft durch einen sogenannten „Stausee-Beirat“. Dafür vorgesehene Mitglieder: Seglerverein, Seesportclub, Behindertenverband, Vertreter der Stadt, des Fördervereines und des Bürgervereines Knauthain/Knautkleeberg.

„Naturnahe Erholung“ und „sanfter Tourismus“ sind die Schlagworte, um die es in der Unterrubrik „Nutzungskonzept“ geht. Zusätzlich zum Flachwasser-Badebereich, dem Bootsverleih und dem Freizeitsport auf der Liegewiese ist dabei die Einrichtung eines Fahrrad- und Schlittschuhverleihs angedacht. Außerdem können sich die Autoren zwischen Imbiss und Seesportverein auch solche Dinge wie einen Biwak- oder Abenteuerspielplatz gut vorstellen.

Für Fahrradtouristen, Wanderer, Kinder- und Jugendgruppen könnte auf dem Gelände des Seesportclubs ein Übernachtungscamp entstehen. Als möglicher Betreiber wurde der Landesanglerverband genannt.

In Sachen „Gastronomie“ ist in diesem Konzept eine Weiterentwicklung des bisherigen Imbissangebotes angedacht. Zusätzlich und im Zusammenhang mit dem Übernachtungscamp könnte auf dem Seesportgelände ein öffentlicher Rastplatz für Radler und Wanderer eingerichtet werden. Außerdem schlagen die Vereinsleute die Ansiedlung hochwertiger Fischgastronomie vor. Sie könnte im ab 2013 leerstehenden Seglervereinsheim untergebracht werden. Nach Meinung des Fördervereines wäre eine solche Einrichtung „eine wirkliche Bereicherung für das gastronomische Angebot der Region mit einer Wirkung in die Stadt hinein.“

Wenig zimperlich die Absender des Konzepts auch beim Unterpunkt „Events“. Zwei Fischerfeste könnten und sollten es ihrer Meinung nach pro Jahr werden. Damit könnten die Anlieger einen „erheblichen finanziellen Beitrag zur Betreibung erwirtschaften“. Weiter angedacht: regionale Bauern- und Gartenmärkte sowie thematische Siedler-, Familien- oder Kinderfeste. Außerdem gut vorstellbar: Schlittschuh- oder Eissegelfeste, Halloween-Partys oder „Kleine Konzerte am See“, Open Air.

Greifbarer scheinen die Ideen in der Abteilung „Angeltourismus/Fischereiliche Bewirtschaftung“. Die Konzeptschreiber dazu: „Der Leipziger Anglerverband ist generell bereit, den See als Gewässer für Satzfischproduktion – aber auch als überregional interessantes Angelgewässer über einen langfristigen Pachtvertrag zu nutzen.“ Darüber hinaus interessiere den Anglerverband der Betrieb des Camps als Jugendlager, Schulungs- und Seminarzentrum in eigener Regie.

Letzter Punkt im Nutzungskonzept des Fördervereines Elsterstausee e.V. ist das Thema „Sport“. Dabei könnten sich die Seeleute gut vorstellen, den Elsterstausee als Ausbildungsgewässer für Segelanfänger oder für den Modellsport zu erschließen. Außerdem weisen sie darauf hin, dass wegen seiner geringen Tiefe der Elsterstausee zu den wenigen Gewässern in Mitteldeutschland zählt, auf denen Eissegeln möglich ist.

„Er hat die Chance sich zu einem ganz besonderen Zentrum der Naherholung zu entwickeln“, heißt es schließlich im jetzt vorgelegten Konzept. Wie sie genutzt wird, das wird in den kommenden Wochen beraten. Das Papier der Vereinsleute könnte dabei nützlich sein. Die Sanierung wird schließlich nicht unwahrscheinlicher, wenn schon jetzt über Ideen für die Zeit danach diskutiert werden kann.

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