Neue Ufer im Frühjahr 2010: Eine Zwischenbilanz von der Baustelle Elstermühlgraben

14 Aug

(Archiv_14_08_br) Sie waren Schandflecke, viele Jahre, die Flüsschen und Gräben, die sich durch Leipzig zogen. Verschandelt durch Abwässer aus den karbochemischen Fabriken im Südraum waren sie erst nicht mehr ansehnlich, stanken und wurden dann verrohrt. Was damit verschwand, war eine der schöneren Seiten Leipzigs als Klein-Venedig. Erst nach der Wende setzte ein Umdenken ein. Vordenkend dabei der Neue Ufer e.V. mit seinen, zu Anfang oft belächelten, Mitstreitern. Sie waren die ersten, die dafür kämpften, die teils vergessenen Wasseradern unter den Fußwegen und Parkplätzen wieder zu öffnen. Wie wichtig dieses Engagement für das Stadtleben war und ist, kann heute sehen, wer an Pleißemühl- und Elstermühlgraben lebt, flaniert oder investiert.

Ein Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht. Noch plätschern einige Kilometer der Stadtkanäle im Dunkeln vor sich hin. Bald jedoch ist zumindest ein nächstes Etappenziel erreicht, denn im Zentrum-West zwischen Käthe-Kollwitz- und Friedrich-Ebert-Straße rückt das Bauende eines weiteren Abschnittes in greifbare Nähe.

„Die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt der Elstermühlgrabenöffnung zwischen Schreberbrücke und Friedrich-Ebert-Straße verlaufen zügig“, hieß es dazu jüngst auf leipzig.de. „Zu den Arbeiten gehören auch der Bau einer Brücke für Fußgänger und Radfahrer über das so genannte Schreber-Wehr.“
Oberste städtische Lenker des Vorhabens sind Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und Gewässer-Amtsleiterin Inge Kunath. Beide hatten sich in diesen Tagen zu einem Baustellenbesuch verabredet. „Die Freilegung des Elstermühlgrabens ist ein wesentlicher Bestandteil des integrierten Gewässerkonzeptes“, betonte dabei Leipzigs Multifunktionsbürgervertreter Rosenthal. „Ihr kommt große Bedeutung für den präventiven Hochwasserschutz zu.“ Inge Kunath ergänzte: „Zudem gewinnt Leipzig durch diese zusätzliche Wasserfläche mit ansprechend gestaltetem Ambiente weiter an touristischer Attraktivität.“

Das Vorhaben „Freilegung Elstermühlgraben“ erfolgt in drei Schritten. Der Beschluss dafür stammt aus dem Jahre 2004. Von 2005 bis 2007 wurde der rund 400 Meter lange Abschnitt am Ranstädter Steinweg freigelegt. Die Arbeiten am Schreberbad begannen im August 2008. Der Grabenaushub ist jetzt, laut Stadtverwaltung, zur Hälfte abgeschlossen. Momentan werde den Rathausseiten zufolge „eine Unterwasserbetonsohle eingebaut und die Uferwände mit Betonvorsatzschalen verkleidet.“ Außerdem ist der Betonbau für die Wehranlage im Gange. Daran schließt sich die Fertigstellung der Freianlagen am künftigen Nordufer an.

Nächster Schritt ist die Stabilisierung von Betonwänden, um dann die Gewässersohle folgen zu lassen. Das werde „durch den vorübergehenden Einbau von Stahlträgern zwischen den Wänden erreicht, die nach Fertigstellung der Sohle wieder entfernt werden.“ Beim folgenden Aushub wird das Landesamt für Archäologie mit eingeschaltet. Dort wurde der Bereich als „archäologisch bedeutend eingestuft“. Eventuelle Funde in der geschichtsträchtigen Gegend sollen damit gesichert und dokumentiert werden.
Parallel erfolgt der Rathausmeldung vom Donnerstag zufolge die teilweise Verblendung der Ufermauern mit Sichtbeton. Insgesamt sollen die Bauarbeiten noch etwa acht Monate dauern. Anfang 2010 soll der zweite Bauabschnitt weitestgehend fertiggestellt sein. Im nächsten Frühjahr bekommt dann das Wehr seine entsprechende Ausrüstung. Dann soll der Elstermühlgraben an dieser Stelle auch mit einer Anlegestelle für das LeipzigBoot ausgestattet werden.

Das danach anzugehende nächste Kapitel wäre der dritte Bauabschnitt der Freilegung. Er soll zwischen 2010 und 2013 bearbeitet werden. Dazu gehört laut Rathaus auch der Bau von vier Brücken. Leipzig-Touristen sollen aber bereits ab Oktober 2010 von der Anlegestelle im Elstermühlgraben über Elsterflutbett, Pleißeflutbett, Pleiße und Floßgraben bis zum Cospudener See fahren können. Dafür allerdings sind noch einige Hürden zu nehmen.

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