Zehn Jahre Neuseenland und das weitere Werden: Landesdirektionspräsident Walter Christian Steinbach im Interview (1)

1 Mai

Das Leipziger Neuseenland steuert auf sein erstes größeres Jubiläum zu. Im Sommer 2010 feiert der Cospudener See seinen 10. Jahrestag. Mit seiner Eröffnung wurde im Sommer des Jahres 2000 der Grundstein für die neue Seenplatte im Südraum Leipzigs gelegt. Einer, der dabei viel mitbewegt hat, ist der Präsident der Landesdirektion Leipzig, Walter-Christian Steinbach. Er hat aber auch noch einige Ideen für die Zukunft auf Lager und spricht gern von Strukturen “aus einem Guss“. Was er damit meint, verriet er im Interview mit der L-IZ. Heute Teil 1 von 2: Zweckverband – warum und wohin?


„Entwicklung aus einem Guss“: Landesdirektionschef Walter Christian Steinbach und das Leipziger Neuseenland. Foto: Landesdirektion/br

Ende März gab es eine gemeinsame Dienstberatung mit dem Leipziger OBM Burkhard Jung. Sie regten dabei ein neues Werkzeug
an, das
Leipziger Neuseenland zu verwalten und zu entwickeln. Warum ist das eigentlich nötig?
(Steinbach): Die Bewirtschaftung des Leipziger Neuseenlandes ist eine hochkomplexe Aufgabe. Die gewässertouristischen Anlagen – das sind Schleusen, Umtragestationen etc. – müssen gebaut, genehmigt, finanziert und später unterhalten werden. Dabei ist zu vermeiden, dass bei den Besuchern des Leipziger Neuseenlandes der Eindruck entsteht, als fahre er da durch eine Schleuse in Markkleeberg und dort durch eine Schleuse von Leipzig. Nein, im Interesse des Besuchers und einer hohen touristischen Anziehungskraft brauchen wir ein Leipziger Neuseenland, das aus einem Guss gemanagt wird.

Mehr Gemeinsamkeit im Neuseenland. Schöne Sache. Dafür eine Art neuen Zweckverband?
(Steinbach): Ein weiterer Punkt, der nicht außer Acht zu lassen ist: das Leipziger Neuseenland besteht aus Gewässern erster Ordnung und Gewässern zweiter Ordnung. Das heißt: Gewässern, die vom Land zu unterhalten sind, und Gewässern, wo den Kommunen diese Aufgabe zukommt. Das funktionelle Zusammenwirken dieser Gewässer und die Gewässergüte muss den Anforderungen entsprechen, auch da dürfen keine Unterschiede entstehen.

Hierfür könnte ein Vertrag mit der Landestalsperrenverwaltung hilfreich sein. Als Vertragspartner kommen auf der einen Seite sicherlich der Freistaat Sachsen, auf der anderen Seite eine Rechtsperson in Frage, da nicht jede einzelne Kommune einen Vertrag schließen kann. Es gibt also eine große Fülle von ganz praktischen Aufgaben zur Funktionsfähigkeit des Gewässerverbundes, die alle, wie ich bereits sagte, möglichst aus einem Guss erledigt werden müssen. Und dafür denke ich müssen sich die Eigentümer der Seen und der Gewässer – die Gemarkungskommunen, die Landkreise, die Stadt Leipzig – zusammenschließen und eine Rechtsperson konstruieren.

Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann einen Zweckverband gründen, man kann einen Verein gründen, man kann eine GmbH gründen. Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten. Wir sind jetzt soweit, dass die wesentlichen Akteure des Raumes beim Sächsischen Wirtschaftsministerium ein Regionalbudget zur finanziellen Unterstützung beim Aufbau einer solchen Struktur beantragen wollen.

Also: Für einen solchen Partner wird jetzt eine Grundfinanzierung angeregt?
(Steinbach): Angeregt wird dies für die Entwicklung eines Ansprechpartners, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man einen weiteren Zweckverband gründen sollte. Es gibt Fürsprecher für einen Zweckverband. Es gibt aber auch eine Reihe von Partnern, die sagen: lasst uns erst noch einmal über die künftigen Strukturen in Ruhe nachdenken, ob es wirklich ein Zweckverband oder ob es nicht eine andere Struktur sein soll, die vielleicht am
Ende schlagkräftiger, schneller, dynamischer ist. Und ich finde den Gedanken gut – zwar haben wir nicht viel Zeit – aber es sollte jetzt in Ruhe durchdacht werden, in welcher Rechtsperson der gesamte touristische Gewässerverbund vom Haselbacher See bis zur Goitzsche einmal gemanagt werden soll.

Es sind viele Partner ins Boot zu holen, viele Geldgeber, bestimmt auch das Land. Viel Zeit ist aber nicht. Wie soll der Fahrplan für diesen Zweckverband aussehen?
(Steinbach): Wie gesagt, ich würde noch nicht von einem Zweckverband sprechen – ich spreche von einer nachhaltigen Regionalstruktur vom Haselbacher See bis zur Goitzsche, die den gesamten touristischen Gewässerverbund aus einem Guss organisiert. Es besteht Eile, da haben Sie Recht. Aber es ist nicht so, dass wir überstürzt handeln müssen. Zudem haben wir ja die Steuerungsgruppe Gewässerverbund, deren Sprecher ich bin. Und da werden alle wichtigen Entscheidungen vorbesprochen und der Gesamtprozess sozusagen am Laufen gehalten.

Die Kommunen, die Landkreise, also die Gebietskörperschaften, nehmen sehr verantwortlich ihre Aufgaben wahr. Aber: das Zusammenspiel der Kräfte muss optimiert werden, damit die Vermarktung und die Bewirtschaftung der Gewässerlandschaft aus einer Hand erfolgen kann. Eine unglaublich komplexe Aufgabe, mit unendlich vielen Facetten und Einzelakteuren, deren Zusammenwirken durch eine nachhaltige Regionalstruktur optimiert werden muss.

Die ganze Idee noch einmal zusammengefasst?
(Steinbach): Die nachhaltige Regionalstruktur, die entwickelt werden muss, sollte am Ende den gesamten touristischen Gewässerverbund aus einem Guss entwickeln, bewirtschaften und unterhalten.

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