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Restrisiko Kohleförderung Kulkwitzer See?: Gisela Kallenbach hat eine Kleine Anfrage formuliert

Die Bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach hat der sächsischen Staatsregierung im Dezember 2011 eine weitere Kleine Anfrage zum Thema Wasserstadt und Neuseenland geschickt. Diesmal ging es um den Kulkwitzer See.

Die Leipziger Bürgerrechtlerin in ihrer Vorbemerkung zum dahinter steckenden Anliegen: „Die Gemeinde Markranstädt (“plant” – Anm.d.Red.) am Westufer des Kulkwitzer Sees den Bau eines neuen Wohngebietes. Der Kulkwitzer See ist wie der Concordia See nicht saniert. Lediglich in Teilabschnitten wurden Maßnahmen ergriffen, die Erosion zu bremsen und steile Uferböschungen zu stabilisieren. Seit zwei Jahren wird nach Ursachen der Erdrutsche am Concordia See und in der Lausitz gesucht. Bisher ohne Ergebnis.“ Daher stelle sich die Frage, ob auch am Kulkwitzer See Risiken für Erdrutsche gegeben sein könnten.

Die Antworten tragen das Datum 5. Januar 2012. Unterschrieben waren sie vom derzeitigen sächsischen Minister für Verkehr, Wirtschaft und Arbeit, Sven Morlok. Frage eins für ihn lautete: „Vor dem ersten Weltkrieg wurde südlich von Markranstädt Braunkohle abgebaut. Ein Teil der alten Schächte ist eingestürzt. Kann ausgeschlossen werden, dass weitere Schächte einstürzen? Welche Untersuchungen gibt es?“

Morlok dazu: „In Gebieten mit Altbergbau können Tagesbrüche oder andere negative Auswirkungen auf die Tagesoberfläche nicht ausgeschlossen werden. Das Oberbergamt hat im November 2011 die Sicherung eines Tagesbruches in Markranstädt, Gemarkung Albersdorf, beendet. Die Bergbehörde wertet dazu gegenwärtig Altakten aus, um möglicherweise weitere Gefahren zu erkennen. Die Ergebnisse dazu werden im 1. Quartal 2012 vorliegen.“

Das bündnisgrüne Kulkwitzer Ufer-Anliegen Nummer zwei: „Im Boden gibt es Sandadern, die durch das in den See fließende Grundwasser frei gespült worden sein könnten, sodass sich Hohlräume im Uferbereich gebildet haben könnten. Gibt es dazu Untersuchungen?“ Hierzu hieß es vom Minister lediglich: „Die Existenz derartiger Hohlräume sowie Untersuchungen zu derartigen Hohlräumen sind nicht bekannt.“

Kallenbachs See-Anfrage Teil drei: „Das Südwestufer besteht aus einer Hochkippe mit zum Teil sehr steilen Ufern. Hier könnten durch Frost, Wasser und Setzungen sowie Wellenschlag die Ufer soweit destabilisiert werden, dass sie in den See rutschen. Kann diese Gefahr ausgeschlossen werden?“

Ihr wich der amtierende SMWA-Behördenchef in seinen Zeilen weitgehend aus. Morlok: „Sowohl an natürlich entstandenen als auch an nicht natürlich entstandenen Böschungen kann die Gefahr von Rutschungen nicht ausgeschlossen werden.“

Schließlich wollte die Bundesverdienstkreuzträgerin Kallenbach wissen, welche Vorkehrungen es für den Fall gibt, dass „trotz aller möglicherweise durchgeführten Untersuchungen Restrisiken bestehen?“ Genauer: „Wer haftet im Fall eines Unfalles bei Schäden wie in Nachterstedt?“

Hier allerdings wurde der Minister so konkret, dass es für das geplante und heftig umstrittene Wohngebiet am Westufer durchaus auch brenzlig werden könnte. Sein Haus und das Oberbergamt seien für die Abwehr von Gefahren, beispielsweise durch Halden, Hohlräume und Restlöcher, zuständig. Angesichts eventueller noch nicht erkannter Probleme hieß es aber von Morlok: „Für den Bereich des Kulkwitzer Sees gibt es keinen Rechtsnachfolger der Bergbautreibenden. Das Baugrundrisiko fällt auf die Grundeigentümer oder mögliche Bauherren.“ Gute Voraussetzungen für Eigenheimpläne sehen anders aus.

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Positives Fazit, sanfte Kritik und mahnende Worte ins Neuseenland: Die “Beach & Boat” 2011

Die „Beach & Boat“ 2011 ist Geschichte. Die dritte Ausgabe der jungen Leipziger Wassersportmesse ging am Sonntag auf dem Neuen Messegelände zu Ende. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden. Auch die Aussteller zogen ein zumeist positives Fazit.

14.100 Besucher seien in diesem Jahr zur neuen Leipziger Saisonauftaktschau gekommen, hieß es am Sonntag-Abend aus der Pressestelle. Ein leichtes Plus zu 2010, damals wurden 13.500 zahlende Gäste gezählt. Auch die Ausstellerzahl ist im Vergleich zum Vorjahr nicht gesunken. 140 Projekte, Händler und Unternehmen hatten sich 2011 für einen Messeauftritt entschieden.

Leipzigs oberster Messemann Martin Buhl-Wagner schien über dieses Ergebnis nicht unglücklich. Für ihn habe die „junge dynamische“ Veranstaltung erwiesen, dass sie hervorragend in die mitteldeutsche Messelandschaft passt. Die „Beach & Boat“ sei seit 2009 kontinuierlich gewachsen, heißt es von Buhl-Wagner im Abschlussbericht. Mit den Seengebieten rund um Leipzig und in der Lausitz sei sie eng verknüpft. Für den Messe-Mann eine perfekte Ehe: „Die neuen Seenländer liefern der Messe Themen und Ideen – und die Messe trägt dazu bei, diese Inhalte in eine breite Öffentlichkeit zu tragen, Partner zu vernetzen und immer mehr Menschen für Aktivitäten am und auf dem Wasser zu begeistern.”

Beide Reviere würden Sachsen gute Chancen bieten, neue Urlaubergruppen zu gewinnen, ergänzte Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok. „Obwohl die Flutung der Seen und der Bau der Kanäle noch nicht abgeschlossen sind, ziehen die neuen Seenlandschaften schon jetzt immer mehr Menschen aus nah und fern an“, fügte der Schirmherr der „Beach & Boat“ hinzu. Der Freistaat unterstütze diese Entwicklung, weil „die wassertouristischen Angebote den Freistaat als Reiseland noch attraktiver machen“, so Morlok schließlich.

Positiv die Bilanz auch bei den meisten Ausstellern. Nur an manchen Ständen gab es Kritik wegen der zeitlichen Nähe zu anderen Boots- und Wassersportmessen. Anderswo war eine gewisse Sehnsucht nach mehr Fachpublikum mit maritimem Antrieb zu spüren.

Bei den „Beach & Boat“-Teilnehmern aus Leipzig gab es jedoch Einigkeit, vor allem was die Entwicklung der jungen Saisonauftaktschau angeht. Die Messe sei wichtig für die neue Wasserregion, so der Tenor bei den meisten messestädtischen Wasser-Unternehmern. Der Trend der Saisonauftaktschau gehe nach oben, nicht nur was die Zahlen angeht, sondern auch den Anspruch.

Christian Conrad: „Ich selbst finde die Messe unglaublich wichtig für unsere Region, weil sie so integriert. Man trifft hier nicht nur Kunden, sondern ich finde es genauso wichtig, dass sich hier alle Akteure treffen und dass auch brisante Themen, bei der Seenland-Konferenz zum Beispiel, angesprochen werden.“ Auch was Boote und Technik betrifft habe sich die „Beach & Boat“ weiterentwickelt, so der Seenverwalter von der LeipzigSeen GmbH. Seine Firma ist unter anderem am Kulkwitzer, dem Cospudener und dem Hainer See unterwegs.

Auch Ralf Baumholzer vom Segel-Dienstleister „Yacht und Jolle“ sieht die Entwicklung, wenn auch mit Einschränkungen, durchaus positiv. „Die Tendenz ist schon zunehmend, was Flächen und das Angebot an Booten betrifft. In der Hinsicht nimmt es zu. Es ist aber nicht unbedingt ein größeres Kundeninteresse zu verzeichnen“, so der Bootsmann aus der Angerstraße zu seiner Sicht auf die Entwicklung des jüngsten Leipziger Messe-Babies.

Die „Beach & Boat“-Besucher reisten in diesem Jahr zum größten Teil aus der Region an. 71 Prozent kamen aus einem Umkreis von 200 Kilometern. Nur rund ein Viertel sei direkt aus Leipzig gekommen – in der angeblichen Wasserstadt also noch ein enormes Wachstums-Potenzial. Mit 21 Prozent am stärksten vertreten war die Altersgruppe zwischen 40 und 50. Dicht gefolgt von den 30- bis 40-Jährigen mit 19 Prozent. Erhoben wurden die Zahlen vom Leipziger Institut für Marktforschung.

Die Interviewer stellten außerdem fest: Die meisten Gäste kamen nur zum Gucken. 71 Prozent der Befragten klickten am Umfrage-Terminal die Rubrik „Anregungen holen“. 63 Prozent wollten sich über bestimmte Produkte informieren. Immerhin 54 Prozent der Befragten waren mit der Absicht gekommen, etwas vor Ort auszuprobieren. Das Fazit der Besucherbefragung trotzdem: Für vier Fünftel aller Befragten habe sich der Besuch gelohnt.

Auf Ausstellerseite fanden die Marktforscher aus der Handwerkerpassage heraus: Für 86 Prozent war das „Messeziel erreicht“. 78 Prozent waren mit dem Besucherstrom vor ihrem Stand zufrieden. 86 Prozent wollen wiederkommen, Mit 96 Prozent würden fast alle Aussteller die „Beach & Boat“ weiterempfehlen. Ein wichtiger Faktor für die Zusammensetzung der nächsten „Beach & Boat“.

Weniger nüchterne Zahlen, eher mahnende Worte gab es allerdings beim Seenland-Kongress, der schon am Donnerstag stattfand. Landrat Gerhard Gey war es, der dabei mit einem Satz voll ins Schwarze der regionalen Befindlichkeiten getroffen hat. „Es geht nicht nur darum, eine hervorragende Infrastruktur zu schaffen. Wir müssen die Menschen dabei mitnehmen“, sagte er zur weiteren Entwicklung der neuen Gewässerregion rund um Leipzig.

Der Landkreisvater scheint genau zu wissen, was auf ihn und seine Kollegen in den nächsten Wochen zukommt. Floßgraben, Schiffbarkeitserklärung und Motorboote gehören dazu und dürften bald wieder für mächtigen Wirbel sorgen. Auch dafür war die „Beach & Boat“ 2011 nur eine Saisonauftaktschau – aber sie war gelungen.

Kulkwitzer See und B-Plan Nr. 232: Dr. Ilse Lauter im Interview

„Er erhitzt natürlich die Gemüter seit geraumer Zeit“, das sagt Dr. Ilse Lauter zum Bebauungsplan Nummer 232 für den Kulkwitzer See. Sie muss es wissen. Nicht nur als Stadträtin und Fraktionsvorsitzende hat sie mit diesem Vorhaben zu tun. Auch die Sorgen der Anwohner sind ihr gut bekannt, weil das ihre Nachbarn sind. Wir trafen die Grünauerin am 24. November zum Interview.

Dr. Ilse Lauter ist Fraktionsvorsitzende von Die Linke im Leipziger Neuen Rathaus. Zur Historie dieses Bebauungsplanes sagt sie: „Der B-Plan 232 liegt jetzt in zweiter Variante vor, nachdem es einen Bebauungsplan 232 schon einmal 2005 gegeben hat, der aber nie den Stadtrat erfolgreich passiert hat“. Der alte Plan sei damals von der Verwaltung zurückgezogen worden. Auf die Frage, worum es dabei eigentlich geht, sagte sie im Interview: „Es geht hier um die genaue Abwägung über die Zukunft, die nachhaltige Entwicklung, des Kulkwitzer Sees. Da stehen natürlich verschiedene Interessen einander gegenüber. Die muss man sorgfältig gegeneinander abwägen.“

Fotos: Bernd Reiher

Zwei Seiten seien es, um die es dabei geht: Zum einen „natürlich die Interessen des Betreibers an einer touristischen Vermarktung“. Auf der anderen Seite gibt es für Lauter „aber genauso berechtigte Interessen der Anwohner, sei es in Grünau, Miltitz, Markranstädt oder Lausen, die natürlich ihren See, den sie seit 1975 kennen, lieben und nutzen, möglichst so behalten wollen“.

Seit Frühjahr diesen Jahres sorgt die neue Variante dieses Bebauungsplanes nun für Aufregung. Auch weil damit der Zugang zum See erschwert werden und Teile des Naherholungsgebietes verschwinden könnten. Lauter dazu: „Die Tendenz, die Ufer zuzubauen, die Wege so zu gestalten, dass man nicht überall an das Ufer kann“ sei natürlich auch für die Nutzer „so sicher nicht hinzunehmen.“ Die gelernte Pädagogin weiter: „Die Gefahr, die viele Anwohner sehen, dass immer mehr Angebote nur gegen Bezahlung zu nutzen sind, was natürlich gerade in einem Stadtteil wie Grünau, wo es viele Menschen gibt, die sich solche Dinge für sich und ihre Kinder kaum noch leisten können, ärgert die Menschen natürlich besonders.“

„Den Grünauerinnen und Grünauern würde kein Nachteil entstehen, wenn der Bebauungsplan nicht kommt. Wohl aber natürlich dem Betreiber, der dieses Gelände für viele Jahre gepachtet hat“, meinte die Grünauerin später. Dass er nötig ist, darin ist sie sich mit den Gegnern der aktuellen Version durchaus einig. „Ein Bebauungsplan macht durchaus Sinn“, sagt sie auch mit Blick auf solche Dinge wie öffentliche Toiletten oder wieder aufzubauende Spielplätze. Für Lauter sei jetzt zu klären: „Nachhaltige Entwicklung – in wessen Interesse?“ Mehr von ihr und dem Kulkwitzer See im Audio-Interview.

Größe: 7,9 MB. Länge: 8’37”. Download

Zerplante Naherholung: Elke Göbel, Kulkwitzer See, B-Plan Nr. 232

Um ein Naherholungsgebiet ging es, als einst in den 1970er Jahren die Pläne für den Kulkwitzer See in die Tat umgesetzt worden sind. Dass sie gelungen sind, können wir heute am Ergebnis sehen. Aus dem einstigen Loch ist eine lebendige Landschaft geworden. Sie allerdings ist so attraktiv, dass es in Leipzig und Markranstädt Bemühungen gibt, diese Potenziale besser zu nutzen. „Bebauungsplan“ heißt das Wörtchen, das momentan ziemlich bedrohlich über der kleinen Idylle am Westend von Leipzig kreist. Warum sie sich trotzdem für ein solches Papier stark macht, das wollten wir von der IG Kulkwitzer See wissen. Gestoßen sind wir auf Elke Göbel, eine der Sprecherinnen der Interessengemeinschaft.

Frau Göbel, wie ist die aktuelle Situation beim Kulkwitzer See?
Der Bebauungsplanentwurf (B-Plan) 232 der Stadt Leipzig wurde 2008 zum dritten Mal in fast unveränderter Form vorgestellt, um am Ostufer des Kulkwitzer Sees ein Tourismuszentrum zu etablieren. Fast 10.000 Unterschriften bringen klar zum Ausdruck, dass die Anwohner bzw. Besucher des Sees gegen diesen sehr einseitig auf Fremdtourismus abzielenden Entwurf des Bebauungsplanes sind. Mit dieser Aktion wollen wir mit der Stadt Leipzig in einen ergebnisorientierten Dialog treten. Ein B-Plan wird benötigt, damit endlich Rechtssicherheit hergestellt wird, was erlaubt ist und wie vorrangig die Interessen der Anwohner, der Naherholung und die Gegebenheiten und Werte des Sees gewahrt werden.

Der See, mit einer Vielzahl von Naturjuwelen, ist nicht nur durch die Bebauungspläne gefährdet. Taucher des Tauchsportvereins Leipziger Delphine machen seit Jahren auf eine immer rasantere Verschlechterung der Wasserqualität aufmerksam. Die aus kommerzieller Sicht hoch gelobte Wasserqualität mit großen Sichttiefen ist am Kulkwitzer See nicht mehr vorhanden.

Was gefällt Ihnen am aktuellen Bebauungsplan 232 nicht?
Die Stadtverwaltung widerspricht sich selbst. Einerseits hebt sie die Bedeutung des Naherholungsgebietes (NEG) Kulkwitzer See als einziges NEG und Stadtteilpark für den westlichen Teil Grünaus hervor. Sie weist im Planentwurf darauf hin, dass der Kulkwitzer See bedeutsam sei für wohnungsnahe Erholung. Planungsziel sei, die Naherholungsinteressen der Bewohner zu verbessern. Auch das Stadtentwicklungskonzept (SEKO) führt 2009 aus, dass auch der Kulkwitzer See zu den attraktiven Naherholungsmöglichkeiten unserer Stadt gehört.

Andererseits will die Leipziger Stadtverwaltung diese Naherholung zu Gunsten des Fern- und Eventtourismus deutlich verringern. Im B-Plan sind 13 Sondergebiete für Touristen aufgeführt. Im Umweltbericht des in Rede stehenden Planes werden seitenweise ökologische und soziale Risiken aufgeführt, die gegen diesen Plan sprechen, aber im Planentwurf werden dann keine Konsequenzen daraus gezogen.

Wo ist das Problem?
Neben der Bedeutung scheint auch die Geschichte des Sees völlig in Vergessenheit zu geraten. Nach dem Braunkohletagebau wurde 1973 das Naherholungsgebiet Kulkwitzer See eröffnet. Die Kosten betrugen von 1972 bis 1988 mehr als 35 Millionen Mark aus dem Staatshaushalt und aus Lottomitteln. Es gab z.B. 600 Strandkörbe, 100 Liegestühle – beste Voraussetzungen für Naherholung. Ein Team von knapp 70 Mitarbeitern schuf von 1969 bis 1976 die idyllische Oase am Rande Leipzigs. „Ohne die vielen Helfer, die in ihrer Freizeit an der Entstehung und Gestaltung des Erholungsgebietes mitwirkten, hätten wir das Projekt nie geschafft“, berichtete der 1. Technische Leiter, Frank Böhme, der Grün-As 2003.

In der genannten Zeit entstand von Leipzigern ein Naherholungsgebiet (NEG) für Leipziger. Am Kulkwitzer See, aber auch in seinem Hinterland, hat sich die Natur zurückerobert, was der Mensch ihr einst nahm. Der Mensch darf dieses wertvolle Gut nicht erneut zerstören. In dem derzeitigen 49-seitigen Planentwurf stehen jedoch Hotels, Ferienhäuser und Anlagen für freizeitorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in Campingbereichen im Vordergrund.

Nach den geplanten Privatisierungen würden zum Beispiel öffentliche parkähnliche Anlagen und Wiesen an etlichen Stellen verschwinden. Geplante Ausgleichsmaßnahmen entsprechen nicht den bisherigen Erholungsflächen, sind an Stellen geplant, wo sich bereits wertvolle Natur etabliert hat oder sind zum Beispiel in einem völlig anderen Stadtteil in Großzschocher vorgesehen. Der bisherige Planentwurf hat menschlich (Bürgerfreundlichkeit) und ökologisch (naturschutzfachlich) total versagt.

Deshalb haben auch so viele Bürger für einen völlig anderen B-Plan, der ihre Interessen berücksichtigt, unterschrieben.

Sie sind nicht gegen einen Bebauungsplan, Sie fordern einen neuen – was muss geändert werden?
Am Kulkwitzer See hat sich die Natur zurückerobert, was der Mensch ihr einst nahm. Der Mensch darf dieses wertvolle Gut nicht erneut zerstören. Deshalb muss der Kulkwitzer See, insbesondere auch das Ostufer, für Anwohner uneingeschränkt zugänglich und seine Natur erhalten bleiben. Es darf keine weiteren Privatisierungen und Verbauungen bisher öffentlicher Flächen geben. Die Naherholung der Grünauer und angrenzender Gemeinden muss die absolute Grundidee aller Planungen sein! Über eine sanfte touristische Nutzung, unter Beachtung der Gegebenheiten des Sees, kann man diskutieren. Der Ferntourismus als bisheriger Leitgedanke der Planungen muss vor dem Hintergrund der nun reichhaltigen Entwicklung des Neuseenlandes deutlich in den Hintergrund treten.

Die Interessengemeinschaft Kulkwitzer See erwartet von der Stadt Leipzig, dass bei der Erstellung eines Bebauungsplanes für den Kulkwitzer See die Naherholungsinteressen der Anwohner umfangreich und konkretisiert einbezogen werden. Es müssen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und gegen Vandalismus konkretisiert werden.

Der Erhalt der vorhandenen Anlagen und Einrichtungen zur Naherholung sowie der Wiederaufbau des Holzspielplatzes und die Schaffung von erforderlichen öffentlichen und nicht nur saisonal bedingt geöffneten Sanitäreinrichtungen müssen festgeschrieben werden. Es darf keine weiteren Privatisierungen oder Verpachtungen geben, die Voraussetzungen für ein Tourismuszentrum am Kulkwitzer See schaffen. Das Ostufer muss für Anwohner uneingeschränkt zugänglich und seine Natur erhalten bleiben.

Die weitere Gefährdung durch menschliche Ausscheidungen, übermäßig viel Vogelkot und technisch unzureichender Lösungen bei der Wasserableitung ist nicht gebannt. Auch auf diese Problematiken sollte ein B-Plan im Rahmen seiner Möglichkeiten Antworten geben. Risiken dürfen nicht nur genannt, sondern müssen ausgeräumt werden. Sonst stehen in absehbarer Zeit Fischsterben und Badeverbot ähnlich wie am Leipziger Auensee auch am Kulkwitzer See auf der Tagesordnung!

Wie geht es mit Ihrer Initiative weiter, was sind Ihre nächsten Vorhaben?
Der Kulkwitzer See ist einer der wichtigsten Vorteile, in Grünau zu wohnen. Entwickelt sich der See zum Tourismuszentrum, entfällt dieser wichtige Vorteil. Am 21.09.2009 wurden deshalb von der IG zur Quartiersratssitzung den Grünauer Stadträten 6 Fragen zum Naherholungsgebiet Kulkwitzer See übergeben, um die Zusammenarbeit mit den Stadträten zu vertiefen. Zur Zeit bestehen unsere Aufgaben und Vorbereitungen darin, mit den Stadträten Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam mit ihnen klar und deutlich die Interessen der Anwohner am NEG Kulkwitzer See gegenüber der Stadtverwaltung zu vertreten.

Da wir nur den einen See gemeinsam haben, stehen die IG Kulkwitzer See aus Leipzig und die BI Pro Kulki aus Markranstädt in engem Kontakt und fordern auch von den Politikern und Verwaltungen beider Seiten eine ganzheitliche Betrachtung des Sees.

Es brennt die Luft in Markranstädt: Karl Heyde und die jüngsten Vorfälle am Kulkwitzer See

Er hat es des öfteren in die Schlagzeilen geschafft, der Kulkwitzer See am West-End von Leipzig in diesem Jahr 2009. Für die Leipziger Seite war ein Bebauungsplan aufgetaucht, der so schon einmal zurück in die Giftschränke verwiesen worden ist. Auch in Markranstädt hat man in die Pläne zur weiteren Bebauung konkretisiert.


Hochtrabende Pläne von vielen Seiten: der Kulkwitzer See von Südosten aus gesehen. Fotos: Bernd Reiher

Hier sind für das Westufer des kleinen Gewässers weitere Flächen unter anderem für Eigenheime im Gespräch. Die Anwohner gingen auf die Barrikaden. Es kam zur Sondersitzung. Dabei ging es auch um zu erhaltende Wiesen, die seit Mitte der 90er Jahre aus ehemaligen Feldern entstanden waren. Just am Folgetag dieser Besprechung wurden die aber dummerweise umgepflügt. Mehr dazu im Interview mit Karl Heyde vom NaBu-Stadtverband Leipzig.

Größe: 7,8 MB. Länge: 8’31”. Download

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