Einsortiert unter Floßgraben

Frühlingserwachen zwischen Stadthafen und Neuseenland: LeipzigBoot nimmt wieder Fahrt auf

Ebenfalls in den Startlöchern für die neue Saison: Die Bootsmänner der Ranaboot GmbH – also des LeipzigBootes. Reiner Kehr und Kollegen seien ab Anfang April wieder auf den messestädtischen Flüssen und Seen unterwegs, hieß es am 15. März 2012 auf den elektronischen Seiten der Kapitäne.

Die messestädtischen Seefahrer teilten dabei mit: “Nach umfangreichen Veränderungen an unseren beiden Booten sind wir startklar für die neue Saison 2012. So es das Wetter und die Wasserstände gestatten, werden wir ab 1. April 2012 wieder Fahrten anbieten.”

Im April seien die Schleusen nur von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr betriebsbereit, hieß es auf ranaboot.de weiter. Daher müsse die Neuseenlandtour vorerst schon 9.30 Uhr beginnen. Beginn der Rückfahrt ab “Pier 1″ sei dabei um 13.00 Uhr. Der Grund laut Ranaboot: “Damit in jedem Fall die letzte Schleusung sicher gestellt ist.”

Ab Mai seien die Schleusen wieder bis 18.00 Uhr in Betrieb, dann beginne man mit den bekannten Abfahrtszeiten 10.00 Uhr ab Stadthafen und 14.00 Uhr Abfahrt ab “Pier 1″. Reservierungen seien ab sofort unter (0341) 480 3830 oder kontakt@ranaboot.de möglich.

www.ranaboot.de

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Alle Jahre wieder: Fütterungsverbot für wild lebende Wasservögel an Gewässern

Die Tanne auf dem Marktplatz steht, Ende November wird der Weihnachtsmarkt eröffnet – dass der Winter nicht mehr weit sein kann, ist kaum noch zu übersehen. Es gibt aber noch ein anderes Anzeichen dafür, dass es mit der kalten Jahreszeit langsam ernst zu werden scheint: Das Amt für Umweltschutz macht wieder auf sein Fütterungsverbot für Wasservögel an stehenden Gewässern aufmerksam. Das Zubrot sei nicht nur unnötig – die gut gemeinte Tat sei auch schädlich für Tier und Natur.

Zu den Hintergründen dieser Verordnung hieß es am 15. November aus dem Rathaus: „Mit Beginn der kalten Jahreszeit weist das Amt für Umweltschutz auf das Fütterungsverbot für wild lebende Wasservögel an stehenden Gewässern im Leipziger Stadtgebiet hin. Die dazu Ende 2010 von der Stadt Leipzig erlassene Allgemeinverfügung erstreckt sich neben dem Kulkwitzer See auf mehr als 100 weitere Standgewässer und gilt auch für die jeweiligen Uferbereiche. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.“

Die Stadtverwaltung zu den Gründen, die an den Leipziger Ufern beliebte Winterfreizeitbeschäftigung per Dekret zu untersagen: „Füttern von Wasservögeln schadet der Umwelt und den Tieren: Durch die Fütterung werden dem Gewässer Nährstoffe in Form von unverbrauchtem Futter oder auch als Exkrement der Wasservögel zugeführt, wodurch die Gewässergüte beeinträchtigt wird. Faulende Futterreste fördern zudem die Entstehung gefährlicher Bakterien, welche zum Erkranken und Sterben der Vögel führen können.“

Wild lebende Wasservögel wie Enten und Schwäne fänden ihre Nahrung in der Natur und seien auch während der Kälteperiode auf die Zufütterung nicht angewiesen. An und in den Seen sei ausreichend natürliche Nahrung vorhanden – beispielsweise Wasserpflanzen, Schilf, Wasserlinsen, Insekten, Krebstiere, Schnecken und Würmer. Würden die Tiere bei Frost oder Eis an einem Gewässer nicht genügend Nahrung finden, zögen sie einfach auf andere offene Wasserflächen weiter.

Zum Erlass der Stadtverwaltung bei leipzig.de

Fahrgastschifffahrt in der Messestadt: Regelbetrieb für das LeipzigBoot

Die “RANAboot” GmbH hat einen Fahrplan für ihre Touren mit dem “LeipzigBoot” vorgelegt. Bis ihre Wassertaxis ins Winterlager kommen, haben die messestädtischen Fahrgastschiffer Touren innerhalb des Stadtgebietes, bis zur Connewitzer Schleuse und in RIchtung Cospudener See im Programm.

Gestartet wird immer dienstags bis sonntags um 11.00, 13.00, 15.00 und 17.00 Uhr zu sogenannten „Auenwald-Touren“. „Neuseenland-Touren“ hingegen werden nur am Wochenende oder auf Anfrage angeboten. Startzeit dafür ist jeweils 10.00 Uhr im Stadthafen. Die Ankunft im Hafen des Cospudener See ist für 13.00 Uhr angegeben. 14.00 Uhr legen die Fahrgastschiffe der Kehr-Flotte zur Rückfahrt in Richtung Stadthafen ab.

Für die wochenendlichen Touren an die neuen Ufer haben die Organisatoren auch einen Taxitransfer eingerichtet. Die beigen Droschken warten dann jeweils um 12.45 Uhr am Stadthafen, um jene Passagiere ins Hafendörfchen „Pier 1“ zu bringen, die von hier aus ab 14.00 Uhr zurück in die Messestadt gleiten wollen. Auf der Rückfahrt aus Markkleeberg nehmen sie die Fahrgäste mit, die an der Vormittagsfahrt zum Cospudener See teilgenommen hatten.

„RANAboot“ wirbt um Nachsicht, falls es zu Zeitverschiebungen kommt: „Bitte haben Sie Verständnis für eventuelle Fahrplanverschiebungen. Wir sind nicht allein auf dem Wasser unterwegs. Dichter Bootsverkehr und Wartezeiten an den Schleusen sind von uns nicht beeinflußbar.“

Als Fahrpreise werden für einstündige innerstädtische Touren 12,00 Euro aufgerufen – Kinder kommen für die Hälfte an Bord. 90 Minuten bis zur Connewitzer Schleuse kosten 18.00 bzw. 9,00 Euro. Für die zweistündige „Auenwald-Tour“ werden 24,00, ermäßigt 12,00, Euro fällig. Tickets für die „Neuseenland-Tour“ sind für 35,00/17,00 Euro zu haben.

www.ranaboot.de

Uferschäden nicht auszuschließen: Gisela Kallenbach, der Floßgraben und eine Kleine Anfrage an den Landtag

In der Landesdirektion Leipzig ist derzeit das Verfahren zur Schiffbarmachung einiger Gewässer der Messestadt im Gange. Dabei auch auf dem Prüfstand der Behörde: Der Floßgraben im Auwald zwischen Leipzig und Markkleeberg. Die Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach hat Ende Juni der Staatsregierung ein paar Fragen geschickt, was sie von dem Vorhaben hält. Seit Ende Juli liegen die Antworten nun vor. Sie bestätigen: Uferbeschädigungen werden erwartet. Im Floßgraben muss motorisiert nicht nur das „LeipzigBoot“ verkehren.

Kallenbach in ihrer Anfrage zu den Hintergründen ihres Antwortersuchens: „In Leipzig läuft gerade das Verfahren zur Schiffbarmachung gemäß §35 SächsWG. In einer ersten Stellungnahme hat die Landesdirektion erklärt, dass die besonders schutzbedürftigen Bereiche der Leipziger Gewässersysteme zunächst ausgenommen werden. Am 19. Mai hat ein Team der TU Dresden ein technisches Gutachten vorgestellt. Darin wurde unter anderem verdeutlicht, dass die Mindesttiefe für Gewässer 0,6 Meter betragen muss und für eine Befahrung mit Booten vom Typ ‘Leipzig Boot’ die Gewässer eine Mindestbreite von vier Metern haben müssten.“

Kallenbachs Frage Nummer eins in dieser Anfrage an das zuständige Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Wie beurteilt die Staatsregierung den Leipziger Floßgraben hinsichtlich der Befahrbarkeit durch Motorboote insbesiondere in Bezug auf Boote vom Typ „Leipzig Boot“?

In der Antwort dazu zitiert das SMWK das nautische Gutachten der TU Dresden. Zu den Ergebnissen heißt es dabei: „Der Floßgraben erschwert aufgrund seiner Hydromorphologie das Befahren mit Motorbooten erheblich.“ Vom Gutachter seien deshalb unter Beachtung der Randbedingungen wie Schleusen, Engstellen und Durchfahrtshöhen folgende Bootstypen für den Floßgraben empfohlen worden: „Sportboote (Breite maximal 1,80 Meter, Länge maximal 5,50 Meter). Kleine Fahrgastschiffe (Breite maximal 2,00 Meter, Länge maximal 8,30 Meter). Beide sollten einen Tiefgang von 0,30 Metern nicht überschreiten.“

Ergänzend dazu hieß es von der Behörde: „Weil es sich beim ‘Leipzig Boot’ nur um eines von mehreren denkbaren Bootstypen handelt, solle sich die Bewertung der Befahrbarkeit – schon aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – nicht allein auf das ‘Leipzig-Boot’ beschränken.“

Kallenbachs Frage Nummer zwei widmete sich dem Thema „Geld“, denn durch verstärkte Nutzung des Floßgrabens werden auch seine Ufer in Mitleidenschaft gezogen: Die Landtagsabgeordnete fragte daher: Wie verändern sich die Unterhaltskosten der Gewässer bei einer durchgängigen Befahrbarkeit durch Motorboote?

Dazu vom SMWK nur ausweichende Sätze – und eine waghalsige Theorie: „Die Höhe von bootsbedingten Unterhaltungskosten an Gewässern hängt neben der Ausgestaltung der Ufer maßgeblich von der Frequenz der Befahrung, den Bootstypen sowie der Fahrweise (auch der muskelbetriebenen) Boote ab. Die Frage kann deshalb nicht pauuschal beantwortet werden. Im Beispiel des Floßgrabens entfällt derzeit nur ein Bruchteil des Verkehres auf Motorboote, da bisher nur wenige Einzelgenehmigungen erteilt wurden. Der überwiegende Teil der Nutzer fährt mit muskelbetriebenen Booten, die den Floßgraben zum Teil mit höheren Geschwindigkeiten befahren und punktuell ebenfalls Wellenbilder an den Ufern erzeugen.“

In Frage Nummer drei ging es schließlich um die Wurst: Welche Schäden an den Natursystemen sind durch die Befahrung von kleinen Gewässern durch Motorboote zu erwarten und wie sollen mögliche Schäden verhindert beziehungsweise ausgeglichen werden?

Hier wurde dann auch die Behörde konkret. Schäden am Floßgraben sind auch aus Sicht des Umweltministeriums zu erwarten. SMWK: „Bei künftig erhöhter Frequentierung des Floßgrabens mit motorisierten Booten sind zusätzliche Belastungen der Ufer nicht auszuschließen. In Betracht gezogen wurden im Gutachten der TU Dresden Ausspülungen von Ufersedimenten, Beeinträchtigungen der Artenzahl, Entwurzelung von Pflanzen und so weiter. Dies würde gegebenenfalls zusätzliche Ufersicherungen und einen erhöhten Unterhaltungsaufwand erfordern. Prävention ist über den Verkehr und die Belastungsintensiät regelnde Vorgaben zu treffen.“

Ergänzend dazu habe aber die Stadt Leipzig berichtet, dass in der Natura-2000-Verträglichkeitsuntersuchung, erarbeitet zwischen 2005 und 2007, nachgewiesen wurde, dass muskelbetriebene und motorgetriebene gewässerangepasste Boote bis zu einer bestimmten Inntensität eine FFH-und SPA-veerträgliche Nutzung des Floßgrabens sein könnten.

Heißt unter´m Strich: Nicht abschätzbare Folgekosten, Inkaufnahme von Umweltzerstörung und schrumpfende Perspektiven für das Vorzeigeprojekt „Leipzig Boot“ wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken. Das SMWK bestätigt: „Kurs 1“ ächzt an vielen Ecken. Schon der erste Abschnitt des Leipziger Gewässerverbundes ist teuer erkauft.

Zur Studie der TU Dresden:
www.ldl.sachsen.de

Positives Fazit, sanfte Kritik und mahnende Worte ins Neuseenland: Die “Beach & Boat” 2011

Die „Beach & Boat“ 2011 ist Geschichte. Die dritte Ausgabe der jungen Leipziger Wassersportmesse ging am Sonntag auf dem Neuen Messegelände zu Ende. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden. Auch die Aussteller zogen ein zumeist positives Fazit.

14.100 Besucher seien in diesem Jahr zur neuen Leipziger Saisonauftaktschau gekommen, hieß es am Sonntag-Abend aus der Pressestelle. Ein leichtes Plus zu 2010, damals wurden 13.500 zahlende Gäste gezählt. Auch die Ausstellerzahl ist im Vergleich zum Vorjahr nicht gesunken. 140 Projekte, Händler und Unternehmen hatten sich 2011 für einen Messeauftritt entschieden.

Leipzigs oberster Messemann Martin Buhl-Wagner schien über dieses Ergebnis nicht unglücklich. Für ihn habe die „junge dynamische“ Veranstaltung erwiesen, dass sie hervorragend in die mitteldeutsche Messelandschaft passt. Die „Beach & Boat“ sei seit 2009 kontinuierlich gewachsen, heißt es von Buhl-Wagner im Abschlussbericht. Mit den Seengebieten rund um Leipzig und in der Lausitz sei sie eng verknüpft. Für den Messe-Mann eine perfekte Ehe: „Die neuen Seenländer liefern der Messe Themen und Ideen – und die Messe trägt dazu bei, diese Inhalte in eine breite Öffentlichkeit zu tragen, Partner zu vernetzen und immer mehr Menschen für Aktivitäten am und auf dem Wasser zu begeistern.”

Beide Reviere würden Sachsen gute Chancen bieten, neue Urlaubergruppen zu gewinnen, ergänzte Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok. „Obwohl die Flutung der Seen und der Bau der Kanäle noch nicht abgeschlossen sind, ziehen die neuen Seenlandschaften schon jetzt immer mehr Menschen aus nah und fern an“, fügte der Schirmherr der „Beach & Boat“ hinzu. Der Freistaat unterstütze diese Entwicklung, weil „die wassertouristischen Angebote den Freistaat als Reiseland noch attraktiver machen“, so Morlok schließlich.

Positiv die Bilanz auch bei den meisten Ausstellern. Nur an manchen Ständen gab es Kritik wegen der zeitlichen Nähe zu anderen Boots- und Wassersportmessen. Anderswo war eine gewisse Sehnsucht nach mehr Fachpublikum mit maritimem Antrieb zu spüren.

Bei den „Beach & Boat“-Teilnehmern aus Leipzig gab es jedoch Einigkeit, vor allem was die Entwicklung der jungen Saisonauftaktschau angeht. Die Messe sei wichtig für die neue Wasserregion, so der Tenor bei den meisten messestädtischen Wasser-Unternehmern. Der Trend der Saisonauftaktschau gehe nach oben, nicht nur was die Zahlen angeht, sondern auch den Anspruch.

Christian Conrad: „Ich selbst finde die Messe unglaublich wichtig für unsere Region, weil sie so integriert. Man trifft hier nicht nur Kunden, sondern ich finde es genauso wichtig, dass sich hier alle Akteure treffen und dass auch brisante Themen, bei der Seenland-Konferenz zum Beispiel, angesprochen werden.“ Auch was Boote und Technik betrifft habe sich die „Beach & Boat“ weiterentwickelt, so der Seenverwalter von der LeipzigSeen GmbH. Seine Firma ist unter anderem am Kulkwitzer, dem Cospudener und dem Hainer See unterwegs.

Auch Ralf Baumholzer vom Segel-Dienstleister „Yacht und Jolle“ sieht die Entwicklung, wenn auch mit Einschränkungen, durchaus positiv. „Die Tendenz ist schon zunehmend, was Flächen und das Angebot an Booten betrifft. In der Hinsicht nimmt es zu. Es ist aber nicht unbedingt ein größeres Kundeninteresse zu verzeichnen“, so der Bootsmann aus der Angerstraße zu seiner Sicht auf die Entwicklung des jüngsten Leipziger Messe-Babies.

Die „Beach & Boat“-Besucher reisten in diesem Jahr zum größten Teil aus der Region an. 71 Prozent kamen aus einem Umkreis von 200 Kilometern. Nur rund ein Viertel sei direkt aus Leipzig gekommen – in der angeblichen Wasserstadt also noch ein enormes Wachstums-Potenzial. Mit 21 Prozent am stärksten vertreten war die Altersgruppe zwischen 40 und 50. Dicht gefolgt von den 30- bis 40-Jährigen mit 19 Prozent. Erhoben wurden die Zahlen vom Leipziger Institut für Marktforschung.

Die Interviewer stellten außerdem fest: Die meisten Gäste kamen nur zum Gucken. 71 Prozent der Befragten klickten am Umfrage-Terminal die Rubrik „Anregungen holen“. 63 Prozent wollten sich über bestimmte Produkte informieren. Immerhin 54 Prozent der Befragten waren mit der Absicht gekommen, etwas vor Ort auszuprobieren. Das Fazit der Besucherbefragung trotzdem: Für vier Fünftel aller Befragten habe sich der Besuch gelohnt.

Auf Ausstellerseite fanden die Marktforscher aus der Handwerkerpassage heraus: Für 86 Prozent war das „Messeziel erreicht“. 78 Prozent waren mit dem Besucherstrom vor ihrem Stand zufrieden. 86 Prozent wollen wiederkommen, Mit 96 Prozent würden fast alle Aussteller die „Beach & Boat“ weiterempfehlen. Ein wichtiger Faktor für die Zusammensetzung der nächsten „Beach & Boat“.

Weniger nüchterne Zahlen, eher mahnende Worte gab es allerdings beim Seenland-Kongress, der schon am Donnerstag stattfand. Landrat Gerhard Gey war es, der dabei mit einem Satz voll ins Schwarze der regionalen Befindlichkeiten getroffen hat. „Es geht nicht nur darum, eine hervorragende Infrastruktur zu schaffen. Wir müssen die Menschen dabei mitnehmen“, sagte er zur weiteren Entwicklung der neuen Gewässerregion rund um Leipzig.

Der Landkreisvater scheint genau zu wissen, was auf ihn und seine Kollegen in den nächsten Wochen zukommt. Floßgraben, Schiffbarkeitserklärung und Motorboote gehören dazu und dürften bald wieder für mächtigen Wirbel sorgen. Auch dafür war die „Beach & Boat“ 2011 nur eine Saisonauftaktschau – aber sie war gelungen.

Massiver Widerstand: NABU, Floßgraben, Schiffbarmachung

Seit Ende April läuft es, das Verfahren zur Schiffbarmachung einiger Gewässer in Leipzig. Zunächst geht es um „Kurs 1“ des gewässertouristischen Nutzungskonzeptes zwischen Stadthafen und Cospudener See. Weil davon auch der Floßgraben zwischen Markkleeberg und Leipzig betroffen ist, hat sich jetzt der NABU Sachsen eingeschaltet. Er sieht nicht nur unberührte Naturräume gefährdet, sondern auch ein rechtliches Problem.


„Freie Fahrt für freie Bürger auf Kosten der Natur?“, so war eine Pressemitteilung übertitelt, die am Dienstag von der NABU-Geschäftsstelle in der Löbauer Straße verteilt worden war. Allgemein hieß es darin zum Verfahren der Schiffbarmachung: „Im Laufe der nächsten Monate wird die Landesdirektion Leipzig darüber entscheiden, ob zukünftig der Wasserweg vom Stadthafen Leipzig über den Elstermühlgraben, die Pleiße und den Floßgraben zum Cospudener See für die Fahrgastschifffahrt und den motorangetriebenen Sportbootverkehr freigegeben sein wird. Der NABU Sachsen lehnt das Vorhaben ab.“

Konkreter wurde Bernd Heinitz. Der NABU-Landesvorsitzende zu den Gründen für das Veto: „Wir halten das jetzt laufende Genehmigungsverfahren für rechtlich bedenklich, da die Landesdirektion sowohl der Antragsteller für das Verfahren als auch die verfahrensführende Behörde ist und also über die Zulässigkeit ihres eigenen Antrages entscheiden würde. Aus Sicht des Artenschutzes und im Hinblick auf Naherholung ist das Vorhaben noch weit problematischer, wenn nicht sogar verantwortungslos, zumal bei einer positiven Entscheidung nur die Interessen einer kleinen Klientel bedient würden – zu Lasten wertvoller Natur und auf Kosten derer, die Erholung in naturnaher Landschaft suchen.“


Schadstoffeinträge, Uferabbrüche, Lärm und andere Belastungen für Mensch und Tier würden Heinitz zufolge nicht lange auf sich warten lassen. Schon jetzt rege sich deshalb bereits „massiver Widerstand seitens vieler Bürger aus Leipzig und Markkleeberg, seitens der Kanuten und der Umweltverbände.“


Zur Problematik mit den Landschafts- und Naturschutzgebieten am Floßgraben sagte der NABU-Vorstand: „Die Route durch den Leipziger Auwald führt zumindest in Teilen durch bisher nahezu unberührte Natur. Der Leipziger Auwald, ein einzigartiger Schatz inmitten der Großstadt, beherbergt das größte und bedeutendste Vorkommen von Eschen-Ulmen-Auwald in Sachsen mit sehr wertvollen Altholzbeständen und das umfangreichste sächsische Vorkommen von Stromtal-Auenwiesen.“

Hervorragend sei die „faunistische Ausstattung“. Elf nach FFH-Richtlinie geschützte Arten kämen hier vor. Außerdem 18 Vogelarten, die nach der Vogelschutzrichtlinie geschützt sind.

Den Floßgraben stuft er dabei als „besonders sensibel“ ein. Heinitz: „Er fließt im historischen Bett der Batschke durch den südlichen Leipziger Auwald, weist in der Regel das klarste Wasser der Leipziger Flüsse auf, ungetrübt von aufgeschwemmten Sedimenten, und durchzieht mehrere Gebiete, die nach europäischem und Landesrecht geschützt sind.“

Der NABU-Vorsitzende zur geplanten Verkehrsertüchtigung: „Ein ungezügelter Motorboottourismus widerspricht den Schutzzielen und würde sich verheerend auf diese Gebiete auswirken, so auch auf das Naturschutzgebiet ‘Elster- und Pleiße-Auwald’.“

Das Fazit des Bernd Heinitz: „Dieses NSG, das im nächsten Jahr 50 Jahre alt wird, hat den Sozialismus und die ersten zwanzig Jahre nach dem Anschluss der DDR an die BRD unbeschadet überstanden und soll nun wegen einiger weniger, die es gerne laut und schnell haben, doch noch irreparabel Schaden nehmen.“

Für ihn wäre die Freigabe eine „unakzeptable Entscheidung“. Zumal man befürchten müsse, dass sie „nur ein erster Schritt sein würde, um schließlich die gesamte Seenlandschaft für den Motorbootverkehr zu erschließen.“ Diese würde dann von Wasserwanderern, Individualtouristen, Naturliebhabern und anderen Erholungsuchenden zunehmend gemieden.

Anderswo, so im Fränkischen Seenverbund zum Beispiel, seien Motorboote auf den betroffenen Gewässern vom Bootsverkehr ausgeschlossen. Dort habe sich das Verbot für die strukturschwache Region als Volltreffer erwiesen. Mit Vorteilen für den Tourismus: denn gerade weil es hier keine Motorboote gibt, befinde der sich im Aufwind.

Daran, so Heinitz schließlich, sollte sich die Landesdirektion orientieren, anstatt „ein kostbares und in Europa einzigartiges Auengebiet ohne zwingende Gründe weiter zu schädigen.“

Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Momentan ist zumindest noch unbekannt, wann überhaupt mit einem Ende des Verfahrens zu rechnen ist. Während die Landesdirektion noch prüft und die Umweltschützer protestieren, werden auf Seiten der Gewässerverbund-Entwickler aber schon die Feierlichkeiten zur Eröffnung von „Kurs 1“ geplant. Sie sollen am 20. August über die Bühne gehen. Arbeitstitel: „Tag blau“. „Das Kommunale Forum Südraum Leipzig, der Grüne Ring Leipzig, die Stadt Leipzig und viele weitere Partner werden diesen Tag im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen aktiv mitgestalten“, heißt es dazu auf gewaesserverbund.de.

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